Ein Eisberg in der Arktis
Ein schmelzender Eisberg im Kongsfjord, Spitzbergen Bild © picture-alliance/dpa

Die Arktis ist ein gigantisches Naturgebiet mit einzigartigen Tieren und Pflanzen. Sie sind perfekt an die besonderen Lebensbedingungen angepasst.

In der Arktis gibt es keine Bäume und selbst im Sommer wird es nicht wärmer als 10 Grad Celsius. Der Großteil der Arktis ist ein Übergangsgebiet zwischen Küsten und Meer. Das Gebiet um den Nordpol besteht aus eisbedecktem Wasser, dessen Randbereiche im Sommer teils abschmelzen, brechen, als Treibeis oder Schollen auf dem Meer schwimmen. Im Winter frieren große Teile wieder zu.

Die Bezeichnung Arktis kommt vom altgriechischen Wort arktos. Bär heißt das. Ursprünglich steht Arktis für das Land unter dem Sternbild des Großen Bären. Doch ein Bär mit Haut und Haaren ist zugleich einer ihrer charismatischsten Bewohner: Der Eisbär ist das größte Landraubtier der Erde und steht an der Spitze der arktischen Nahrungspyramide. Sehr gern frisst er Ringelrobben. Auf sie wartet er auf Eisschollen oder an Eislöchern – bis die Robben zum Atmen auftauchen. Auf Nahrungssuche ziehen Eisbären teils weit durch die Arktis.

Im Sommer fasten sie, denn das Eis wird brüchig, hält ihnen nicht mehr Stand. Und so wandern die Bären in Tundra und Taiga und fressen das Wenige, was es dort für sie gibt. Friert das Polarmeer nun aufgrund höherer Temperaturen später zu und taut es eher auf, müssen die Eisbären länger fasten, die Tiere magern ab und bekommen weniger Junge. Darauf weisen Ergebnisse kanadischer Forscher hin.

Eisfreie Arktis im Sommer 2030?

Die Fläche der Arktis schwindet aktuell um fast drei Prozent pro Jahrzehnt. Sie taut weg, weil die Temperaturen deutlich gestiegen sind. Mit dem Tauen steigt parallel der Meeresspiegel. Sollte diese Entwicklung anhalten, könnte die Arktis bereits im Sommer 2030 eisfrei sein. Für die Ringelrobbe tritt so neben dem Eisbären noch eine Bedrohung in ihr Leben: denn sie braucht das Eis zum Ausruhen.

Hier kommen die Babyrobben zur Welt - in selbst gebauten Schneehöhlen. Im Frühjahr muss das Eis lange genug halten, damit die Jungrobben aufgezogen werden können. Schmilzt das Eis zu früh, werden Mutter und Jungtier getrennt, bevor der Nachwuchs auf eigenen Flossen steht.

Leben über und unter dem Meeresspiegel

Die Arktis ist aber mehr als nur Packeis. Je nachdem, wo man ist, gibt es auch Fließgewässer und Süßwasserseen, Polarwüsten und Kältesteppen. Unerwartet artenreich sind die Insekten - vor allem Mücken und Fliegen. Einige von ihnen sind in unglaublicher Weise angepasst. Zum Beispiel eine Motte, deren Raupen rund 90 Prozent ihres Lebens durchgefroren unter Steinen verbringen. Im kurzen Arktis-Sommer haben sie kaum Zeit zum Fressen, weshalb ihre Raupenentwicklung sieben Jahre dauert. Andere Arten sind kälteresistent. Sie haben biologische Frostschutzmittel im Blut - Glycerin zum Beispiel.

Unter dem Eis der Arktis geht es teils über vier Kilometer hinab. Zwar ist es hier oft ziemlich dunkel, Leben gibt es aber trotzdem - mikroskopisch kleine Eisalgen zum Beispiel. Sie sind ein wichtiger Teil der Nahrungskette, gehören zum Plankton, der Hauptnahrung etwa vieler Fische oder auch mancher Walarten.

Ökologischer Dominoeffekt

Da Schmelzwasser das arktische Salzwasser verdünnt, verändern sich das Plankton. Planktonlebewesen, die viel Salz im Wasser brauchen, werden seltener. Arten, die mit weniger Salz klar kommen, füllen die Lücken. Verändertes Nahrungsangebot, veränderte Temperaturen – beides beeinflusst den Fischbestand.

Beispiel: Polardorsch. Er ist eine der ökologisch wichtigsten Arten der Arktis, eine Nahrungsgrundlage für zahlreiche Meeressäuger und Seevögel. Der Polardorsch frisst gern Eisalgen und lebt in Eishöhlen oder zwischen Eisschollen. Gibt es nun weniger Eisalgen und verändert sich die Eisdecke des Meeres, wird beides den Polardorsch empfindlich treffen. Es steht zu befürchten: Der Meereisrückgang setzt einen ökologischen Dominoeffekt in Gang - im Wasser wie an Land. Und dieser Effekt wird gravierende, noch nicht voll absehbare Auswirkungen haben – für die Eisalge ebenso wie für den Eisbär.

Sendung: hr-iNFO, 25.10.18, 06:10 Uhr

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