Die Türme der Commerzbank und der Deutschen Bank in Frankfurt
Aus zwei mach eins? Die Deutsche Bank und die Commerzbank könnten fusionieren. Bild © picture-alliance/dpa

Schon seit Wochen gibt es Gerüchte, die Deutsche Bank könnte mit der Commerzbank zusammengehen. Die mögliche Fusion ist hochumstritten. hr-iNFO zeigt die Vor- und Nachteile auf.

Deutschland wünscht sich eine starke, wettbewerbsfähige, heimische Bank. Diese Ansicht vertritt zumindest Bundesfinanzminister Olaf Scholz von der SPD. So einen nationalen Champion gebe es derzeit hierzulande nicht sagte er etwa bei einer Veranstaltung in Frankfurt vor einem halben Jahr. Es sei "ein Problem" für eine so große Volkswirtschaft wie die deutsche, "dass die Banken, die hier tätig sind, nicht die Größenordnung und die Globalität haben, die notwendig ist, um die Wirtschaft zu begleiten", ist Scholz überzeugt. Seitdem steigt der Druck aus Berlin auf Deutsche Bank und Commerzbank.

Die Nummer eins und zwei der privaten deutschen Banken sollen fusionieren. Mehrmals sollen Politiker die Banker deshalb im vergangenen Jahr getroffen haben. Offenbar drängen sie auf eine neue deutsche Mega-Bank. Die könnte hiesige Unternehmen bei ihren Geschäften weltweit unterstützen.

Deutsche Banken sind Schnäppchen

Durch eine Fusion ließe sich darüber hinaus verhindern, dass ausländische Mitstreiter die deutschen Geldhäuser übernehmen, denn deren Börsenwert ist in der letzter Zeit massiv geschrumpft. Sie gelten quasi als Schnäppchen. "Keiner möchte, dass die UBS aus Zürich heraus die Deutsche Bank kontrolliert, oder irgendeine spanische Bank die Commerzbank“, erklärt Christoph Schalast, Fusionsexperte der Frankfurt School of Finance and Management. Die Hoffnung: Durch eine Fusion steigt der Wert der Banken, sie sind weniger anfällig und bleiben "als nationale Institute erhalten".

Eine "Deutsche Commerzbank" oder wie das neue Bankhaus hieße brächte es auf einen Börsenwert von rund 25 Milliarden Euro. Im internationalen Vergleich ist das jedoch immer noch wenig. Und abgesehen von politischen und nationalen Erwägungen: Wie soll es überhaupt gelingen aus zwei wenig profitablen Banken ein neues erfolgreiches Spitzeninstitut zu schaffen?

Positive Effekte sind "überschaubar"

Schalast sagt, dass eine Fusion am Ende kaum einen Mehrwert bringt – auch weil sich die Geldhäuser zu ähnlich sind. "Die Commerzbank ist etwas kleiner, stärker mittelstandsorientiert, weniger international, aber insgesamt sind sie Wettbewerber, im nationalen Markt und darüber hinaus", so der Fusionsexperte. Zwar hätte die fusionierte Bank insgesamt rund 38 Millionen Privatkunden und etliche zehntausende Kunden aus dem Firmenbereich. Und wenn sie dieselben Dienstleistungen für immer mehr Menschen anbietet, könnte sie dadurch vielleicht mehr verdienen und auf der anderen Seite sparen, etwa bei den Investitionen in die IT. Insgesamt seien die positiven Effekte aber überschaubar.

Auf der anderen Seite wäre eine Fusion gerade anfangs erst einmal teuer. Die Integration der IT würde viel Geld kosten und könnte sich über Jahre ziehen, warnt Schalast. Ob sich ein Zusammenschluss insgesamt lohnen würde? Der Fusionsexperte glaubt das nicht.

Sorgen um Arbeitsplätze

Derzeit schafft das Ganze vor allem neue Unruhe. Fast 150.000 Mitarbeiter wären von einer Fusion betroffen. "Wir müssen davon ausgehen, dass das zu einem erheblichen Arbeitsplatzabbau in Deutschland führen würde. Mit Blick auf das deutsche Geschäft wäre abzusehen, dass es im Filialbereich zu einem erheblichen Kahlschlag kommen würde", warnt Jan Duscheck, der für Verdi im Aufsichtsrat der Deutschen Bank sitzt.

So sehr sich die Politik also einen nationalen Champion wünscht: Eine Fusion zwischen der Deutschen Bank und der Commerzbank würde nach Ansicht von Wirtschaftsfachleuten nur wenig bringen, wäre darüber hinaus erst einmal teuer und könnte den Stellenabbau verschärfen.

Sendung: hr-iNFO, 1.2.2019, 6.40 Uhr

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