Perspektive auf Kinderbeine, die einen Fußball gekickt haben, der nicht mehr im Bild ist
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Spielerberater sind auf der Suche nach neuen Talenten - und sind dabei vor allem auf eins aus: Profit. Da kommen die jungen Spieler schnell mal unter die Räder. Ein Beispiel aus Frankfurt.

Profi-Fußballer werden: Das wünschen sich viele Kids. Jeden Samstag im Waldstadion vor 50.000 Fans Fußball spielen – das wär's doch. Damit sich dieser Wunsch erfüllt, werden schon achtjährige Jungs von Spielerberatern beobachtet. Und spätestens mit 15 Jahren haben sie einen Vertrag in der Tasche. Ist das nicht zu viel für die Kinder?

Viktor Taleski aus Frankfurt war so jemand. Mit 15 Jahren hatte er schon einen Vertrag in der Tasche. Der Traum des 23-Jährigen war es, Profi-Fußballer zu werden. Doch der Traum ist zerplatzt. "Ich war eben so ein Typ, der hat das extrem ernst genommen", sagt Taleski. Er habe in diesem Zeitraum sehr wenige Freunde getroffen und sei sehr selten auf Partys gegangen, geschweige denn habe er Alkohol getrunken.

Freizeit war Fehlanzeige

Fünf Mal die Woche hatte Viktor Training nach der Schule, zusätzlich Krafttraining und am Wochenende Spiele in München, Karlsruhe oder auch Stuttgart. Ostern, Weihnachten oder auch Geburtstage haben nie eine Rolle gespielt, immer stand Fußball an erster Stelle. Freizeit war Fehlanzeige, sagt er selbst. Das sei auch total selbstverständlich, dass man keinen Urlaub habe. Die Ferien wurden ausgenutzt, um das Training zu intensivieren. Sprich: Die Sommervorbereitung ist mit dem Traininslager in die Sommerferien gefallen. Und die trainingsfreie Zeit war mitten in der Schulzeit. Da könne man nicht weg, erzählt Taleski. "Von daher war Urlaub kleingeschrieben in der Zeit. Was Du gerne in Kauf nimmst, weil Du eben diesen Traum verfolgst, Fußballer zu werden", sagt er.

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Doch trotz aller Anstrengungen hat es nicht geklappt. Immer wieder gab es Rückschläge und er musste früh lernen, mit Frust umzugehen: "Mit 15 oder 16, wenn man da irgendwo eine Enttäuschung erlebt hat, man nicht im Kader war oder sowas, dann sind auf jeden Fall Tränen geflossen und einige Türen auch kaputtgetreten worden zu Hause, muss ich ganz ehrlich sagen", erzählt Taleski etwas verlegen.

"Extrem viel Frust"

Doch die Hoffnung war immer da. Er hat lange Zeit bei der Eintracht im Nachwuchsbereich professionell gekickt und war sogar Nachwuchs-Nationalspieler in Mazedonien. Doch Viktor erinnert sich ganz genau. Mit 18 Jahren kam die Zeit der Enttäuschungen. Es sei extrem viel Frust in den Jahren verteilt gewesen. Der erste war: "Ok, ich war bei der Eintracht ein Stammspieler und irgendwo auch ein Leistungsträger und es hat nicht geklappt für die Profimannschaft", erzählt Taleski.

Seine Berater hätten ihn dann mehr oder weniger stehengelassen. Sie hätten ihm zehn Vereine genannt, bei denen sie ihn gesehen hätten. Daraus sei aber auch nicht mehr geworden. "Noch eine Enttäuschung: Du fliegst nach Mazedonien, fängst dort an zu spielen, um zu sagen: 'Okay, ich bin jetzt hier. Ich spiele in der ersten Liga, ich will Erfahrung sammeln.' Bist verletzt, spielst nicht. Noch eine Enttäuschung", sagt er. Das seien einfach so viele Frustmomente hintereinander in den paar Jahren gewesen, "wo man dann irgendwann sagt: 'Hey, ist es das alles überhaupt noch wert?'"

Doch auch wenn es mit dem Profifußball nicht geklappt hat: Viktor ist sehr dankbar, dass alles erlebt zu haben. Er studiert heute Wirtschaftswissenschaften in Frankfurt. Und kickt hobbymäßig trotzdem noch weiter.

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Sendung: hr-iNFO, 21.11.2018, 15.10 Uhr

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