Zwei junge Menschen sitzen draußen an einem Tisch eines Cafés

Langsam scheint sich die Corona-Lage zu entspannen, auch in Hessen. Der Einzelhandel darf in immer mehr Orten öffnen, die Gastronomie kehrt in kleinen Schritten zurück in Richtung Normalität. Wie erleben Gastwirte in Hessen das wiederanlaufende Geschäft?

Bei gutem Wetter füllt sich die Friedberger Innenstadt. Endlich wieder, denken hier viele. So auch Sebastian Beck, Inhaber von "Die Dunkel", einem gutbürgerlichen Lokal direkt an der belebten Kaiserstraße. Nach so langer Zwangspause ist das Arbeiten noch sehr ungewohnt: "Also es ist schön, aber man merkt auch, dass man sich monatelang nicht so viel bewegt hat und jetzt wird wieder gerannt." Trotzdem sei es ein tolles Gefühl: "Wir freuen uns sehr - auch, dass es so gut angenommen wird und die Leute sich draußen hinsetzen."

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Zum Artikel Die Lage hessischer Gastronomen: "Das Gastgewerbe ist kein Pandemietreiber"

Eine Barista steht an einer Espressomaschine und bereitet einen Milchkaffee.
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Es mag am jetzt endlich guten Wetter liegen, aber bisher ist drinnen nur wenig los, erzählt Beck. Die Menschen nutzen es, draußen Schnitzel zu essen, das Feierabendbier oder den Nachmittagskaffee trinken zu können, ohne Testpflicht. Dafür ist extra Fläche von der Stadt Friedberg freigegeben worden. Ohne diese Möglichkeit wäre es schwierig, sagt auch Jörg Schultzek von der Café Bar Novum. Er ist der Stadt sehr dankbar, dass er den Platz vor der Stadtkirche mitbenutzen darf.

Die Angestellten fehlen

Trotzdem ist noch längst nicht alles wieder gut, sagt Sebastian Beck. Es sei zwar schön, die Dankbarkeit bei den Leuten zu sehen, aber es müsse schon noch mehr passieren: "Noch sind die Menschen sehr zurückhaltend und es kommt auch immer wieder vor, dass die Menschen ihre Kontaktdaten nicht angeben wollen." Diese Kunden müssten dann leider weiterziehen.

Diese Diskussionen machen den Neuanfang nicht leichter, erzählt der Café-Inhaber. Dazu kommt eine ganz andere Sorge. Denn im Gegensatz zu Sebastian Beck, dessen Angestellte wieder vollständig zurückgekehrt sind, hat Jörg Schultzek gut die Hälfte seines Personals verloren: "Daher haben wir jetzt auch ganz schräge Öffnungszeiten, Montag bis Samstag vorerst von neun bis 15 Uhr. Die anderen Schichten zu besetzen, also die Nachmittage oder der frühe Abend oder die Sonntage, ist absolut überhaupt nicht denkbar, deswegen müssen wir jetzt mit wenig Personal möglichst viel stemmen unterm Strich."

Noch lohnt sich der Betrieb nicht

Da ist Jörg Schultzek nicht alleine, der hessische Hotel- und Gaststättenverband bestätigt das: Gut zwölf Prozent der Sozialversicherungsbeschäftigten haben Hotels und Gastronomie in den letzten Monaten den Rücken gekehrt, dazu kommen etliche Minijobber. Und wie viele Gastronomen diese Pandemie überhaupt überstehen, ließe sich noch nicht sagen. Dazu müsse das Auslaufen der Wirtschaftshilfen abgewartet werden, heißt es von Verbandseite.

Diese Hilfen haben wohl eine Pleitewelle vorerst verhindert, jetzt sei es wie bei einer Neueröffnung, sagt Sebastian Beck: "Wir konnten in den Pachtverträgen bleiben und es haben sich keine Schulden bei Stromanbietern oder Gasanbietern aufgetürmt, sondern wir starten jetzt im Prinzip wieder bei null und freuen uns, dass wir uns nicht verschulden mussten zumindest."

Noch lohne sich der Betrieb nicht, sagt Jörg Schultzek. Dafür braucht es noch mehr Gäste, mehr Normalität.

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 08.06.2021, 6 bis 9 Uhr

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