Kantine
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Zu fettig, zu viel Convenience, zu ungesund: Kantinen- oder Mensa-Essen wird oft kritisiert. Eine Ernährungswissenschaftlerin erklärt, wie es besser ginge.

Um die Qualität zu bestimmen, werden häufig die Standards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung herangezogen: Dort ist genau festgelegt, wie oft es zum Beispiel in der Kantine oder Mensa bestimmte Nahrungsmittel geben sollte. Zum Beispiel im Schnitt nur zweimal die Woche Fleisch, aber jeden Tag Gemüse.

Gerade für Schulen sind allerdings die Kosten oft ein Problem, erklärt Catharina Jansen von der Hochschule Fulda, die sich seit Jahren mit dem Thema Gemeinschaftsverpflegung befasst. "Das ist gerade in der Schulverpflegung ein extremes Dilemma, dass der sozialverträgliche Höchstpreis eben der begrenzende Faktor ist." Oft könne man nicht über 3,50 Euro hinausgehen, weil man dann manche Schülerinnen und Schüler vom Essen ausschließen würde.

Für nur vier Cent mehr lässt sich gesünder kochen

Häufig wird Schulessen daher von Land oder Kommune subventioniert. Eine gesunde Mahlzeit muss allerdings nicht deutlich teurer sein. Eine Studie des Ernährungsministeriums hat die Schulverpflegung unter die Lupe genommen und festgestellt: Für nur vier Cent mehr lässt sich gesünder kochen. Für den Preis allgemein gilt: Je mehr Esser pro Kantine, desto günstiger.

Bei 80 Essen lohnt sich meist keine eigene Küche, bei 200 Essen hingegen schon, weil man dann weniger teure Fertigprodukte einkaufen muss – das kann die höheren Personalkosten ausgleichen. In Berlin sind für Schulessen mittlerweile die Standards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung verpflichtend und es wird auch kontrolliert und bestraft, wenn die Küchen oder Caterer sich nicht dran halten.

In Hessen und anderen Bundesländern sind die Regeln unverbindlicher, erklärt Jansen: "Das ist ja teilweise schon gesetzlich verankert, dass das Essen gesundheitsförderlich sein muss. Ob es das auch tatsächlich ist, kontrolliert keiner. Dazu müsste auch erst mal festgelegt sein, was das ist."

Gesünderes Essen nicht beliebter

Allerdings: Auch wenn die Qualität passt, muss das bessere Essen immer noch gegessen werden. Das haben zwei junge Forscherinnen der PH Schwäbisch Gmünd an ihrer Mensa getestet: Sie haben ein gesünderes Menü - mehr Gemüse, weniger Fleisch, fettärmer - eingeführt, das dank Sponsoren sogar günstiger war als das normale Essen.

Die Mensabesucher kannten zwar das Angebot und fanden es auch gut. Ausgewählt wurde es allerdings nicht übermäßig häufig – zwei von drei Mal entschieden die befragten Mensabesucher sich dann doch für ein anderes Essen. Wenig erstaunlich also, dass sie sich insgesamt nicht gesünder ernährten als vorher.

Forscher versuchen allerdings, solche Entscheidungen zu beeinflussen - etwa indem die gesunde Alternative griffbereit präsentiert wird, während man die ungesunde extra bestellen muss. Neben Gesundheit ist auch Nachhaltigkeit in der Gemeinschaftsverpflegung ein Thema: Planung passend zur Saison und regionales Einkaufen gehört genauso dazu wie Vermeiden von Abfall und Energieverschwendung. Weniger Fleisch im Angebot wäre gleichzeitig gesünder und nachhaltiger. Nachhaltiger muss dabei nicht teurer sein – der Einkauf von Biolebensmitteln bedeutet allerdings häufig höhere Preise.

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Sendung: hr-iNFO, 29.4.2019, 6:10 Uhr

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