Familie am Esstisch

Es begann alles am 20. August 2018, als Greta Thunberg vorm schwedischen Reichstag für mehr Klimaschutz protestierte. Eine weltweite Jugendbewegung entstand, die sich für mehr Umweltschutz einsetzt - auch am heimischen Esstisch. Für die Eltern ist das nicht immer einfach. Ein Erfahrungsbericht.

Sohnemann Levin, Tochter Luca und Mama-ich bei unserem typischen Montagsessen: Käse-Tortellini mit frischer Tomaten-Sauce und Salat. Früher hätte es Maultaschen gegeben, aber die sind mit Schwein gefüllt – vermutlich nicht mit hochwertigem Biofleisch vom klimafreundlichen Bauernhof.

Maultaschen und Nutella verbannt

Und deshalb gibt es seit Ewigkeiten keine Maultaschen mehr - und Levin findet das als Zwölfjähriger gut so: "Weil ich einfach die Tiere damit schützen möchte. Die sind zwar zum Essen da, aber wir Menschen verbrauchen das in so unermesslichen Mengen, dieses Fleisch .... Weil natürlich auch viel Futter gebraucht wird, Billigfutter, das auch wieder hergestellt werden muss und das verbraucht ja auch viel CO2 - und auch die ganzen Gerätschaften und so. Das tut auch den Tieren nicht gut, sowas." Deshalb gibt es jetzt nur noch am Wochenende Fleisch – aus der Biometzgerei. Öfter kann sich das eine Familie ja auch kaum leisten.

Unsere Essgepflogenheiten haben sich sowieso seit einigen Monaten sehr verändert: So sehr wir alle zum Beispiel Nutella liebten – Luca hat es mit ihren neun Jahren vom Speiseplan gestrichen. "Weil Nutella mit Palmöl ist und dafür werden Urwälder kaputtgemacht und Affen getötet - deswegen verzichten wir auf Palmöl. Das ist zwar lecker, aber umweltschädlich." Und Levin schiebt hinterher: "Man muss verzichten können." Palmöl-Produkte sind also aus dem Roessler‘schen Haushalt verbannt. Was gar nicht so leicht ist, denn wer sich mal die Zutatenlisten in den Supermarktregalen wirklich durchliest, der weiß: Palmöl ist in soooo vielen Produkten enthalten ... das ist so, wie wenn man keine "Made in China"-Produkte mehr kauft - unter anderem wegen der schlechten Klimabilanz. Also auch keine "Made in China"-Geschichten mehr im Hause Roessler.

Polizisten-mäßig pedantisch

Manchmal gehen mir meine beiden Klimaschützer schon ein bisschen auf die Nerven. Kinder haben gern mal so was Polizisten-mäßig-Pedantisches an sich:
- "Naja, Fahrrad fahren wäre halt schon besser. Erstens ist das trainiert, zweitens ist es umweltfreundlicher."
- "Dass Du bei Staus nicht das Auto ausmachst, das macht eigentlich keiner!"
- "Dieses für die Haarglätter, die braucht man ja eigentlich nicht so, das ist eher so stromverbrauchend."
- "Oder Du lässt auch manchmal das Licht einfach brennen."
- "Also manchmal lässt die Mama den Külschrank auch offenstehen, das ist halt total umweltschädlich."

Aha – am besten also nur noch Fahrradfahren, noch plastikfreier einkaufen, immer das Licht ausschalten, alles nur noch Bio vom klimafreundlichen Bauernhof ... allein die Vorstellung stresst mich. Weil ich dann nicht mehr beim Supermarkt um die Ecke einkaufen gehen kann, sondern nur noch direkt beim Bauernhof oder im Biosupermarkt. Das kostet einfach mehr Geld und mehr Zeit. Aber letzten Endes haben Luca und Levin mit ihren neun und zwölf Jahren Recht und ich finde ihre Haltung einfach stark. Und Eltern können oder sollen ja auch von ihren Kindern lernen – nicht nur umgekehrt.

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 24.6.2021, 6 bis 9 Uhr

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