Euromünzen
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Als Griechenland der Euro-Zone beitritt, hat es das nur geschafft, weil das Land seine Haushaltszahlen ordentlich frisierte. Als das irgendwann auffliegt, ist es zu spät. Das Land stürzte in eine Schuldenkrise und brauchte Kredite von EU und IWF. Am Montag nun endete das sogenannte Rettungsprogramm. Was hat es dem Land gebracht?

Im Jahr 2009 ist kein anders Land in der EU gemessen an seiner Wirtschaftsleistung so stark verschuldet wie Griechenland. Doch auf EU-Ebene wird das Problem anfangs heruntergespielt. „Die Perspektive, die einige aufzeichnen, als stünde Griechenland kurz vor dem Staatsbankrott, entspricht überhaupt nicht meiner Beobachtung", sagte der damalige Euro-Gruppenchef Jean-Claude Juncker. Womit die Euro-Partner da noch nicht rechnen: Spekulanten wetten auf eine Pleite Griechenlands, das Land muss immer höhere Zinsen zahlen, es kann seine Schulden nicht mehr bedienen.

Im Mai 2010 ist es dann so weit: Griechenland erhält 110 Milliarden Euro Finanzhilfen, den Großteil stellen die Euro-Staaten bereit, den Rest übernimmt der Internationale Währungsfonds IWF. Giorgos Papandreou, ehemaliger griechischer Ministerpräsident: „Europa hat einen großen Schritt getan, die Entscheidung wurde nicht nur für Griechenland getroffen.“ Im Gegenzug muss Griechenland massiv sparen, Löhne im öffentlichen Sektor senken, Renten kürzen, Steuern erhöhen.

Halbe Rente weg

Der Sparplan soll von der später verhassten Troika überprüft werden, das sind EU-Kommission, EZB und IWF. Wolfgang Schäuble, der damalige deutsche Finanzminister, macht sich unbeliebt mit Aussagen wie diesen: „Griechenland unterwirft sich einer strengen Überwachung. Das wird alle drei Monate überprüft und bei der kleinsten Abweichung werden Konsequenzen gezogen, das ist völlig klar.“ Doch schon bald steht fest: Der Plan geht nicht auf, auch deswegen, weil die griechische Konjunktur stark einbricht. Am Ende wird 2012 ein zweites Hilfspaket freigegeben.

Zudem wird ein Schuldenschnitt beschlossen: Besitzer griechischer Staatsanleihen verzichten auf einen Teil ihrer Forderungen, darunter Banken, aber zum Beispiel auch Pensionsfonds. Ein griechischer Rentner schimpft: „Was denn für ein Schuldenschnitt? Wissen Sie, was für einen Schuldenschnitt ich bekommen habe? Ich habe seit meinem 12. Lebensjahr gearbeitet. Und jetzt machen sie einen Schuldenschnitt und nehmen mir die halbe Rente weg.“

Größte Staatsumschuldung aller Zeiten

Es wird bis dato die größte Staatsumschuldung aller Zeiten. Doch der Unmut in der griechischen Bevölkerung wird immer größer. Das Linksbündnis Syriza mit Alexis Tsipras gewinnt die Parlamentswahl. Der Ton gegenüber der EU wird rauer. Legendär die Auftritte des umstrittenen früheren Finanzministers Yanis Varoufakis: „Schluss, mit der Troika ist Schluss – gebt uns die Möglichkeit Stabilität und Wachstum zu schaffen. Dann werden wir Reformen umsetzen. Und zwar weil wir Reformen wollen und nicht weil ihr das von uns fordert.“

2015 wird es dramatisch: In einem Referendum lehnen die Griechen die Bedingungen der Gläubiger ab. Noch nie zuvor stand Athen so knapp vor der Pleite, kommt es zum Grexident, einem unfallhaften Ausscheiden Griechenlands aus der Euro-Zone?

Letzte Rückzahlung an die EU anno 2060

Am Ende bittet die Regierung Alexis Tsipras dann doch offiziell um weitere Hilfen und akzeptiert die Sparauflagen: „Ich bedauere nicht, dass ich für die Rechte des griechischen Volkes gekämpft habe. Und ich bedauere auch nicht, dass ich mich auf den Kompromiss und das Rettungspaket eingelassen habe, statt der Mehrheit der Griechen eine heldenhafte Selbsttötung zu bescheren.“

Hilfspaket Nummer drei wird frei gegeben, das nun ausläuft. Zuletzt lag der Schuldenberg nach den Zahlen der griechischen Schuldenagentur bei über 340 Milliarden Euro. Die letzte Rate soll im Jahr 2060 zurückgezahlt werden, an den Euro-Rettungsfonds ESM – wenn der Tilgungs-Plan aufgeht.

Sendung: hr-iNFO, 20.08.2018, 06.05 Uhr

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