Eine Spritze mit Corona-Impfstoff wird aufgezogen

Die reichsten 16 Prozent der Weltbevölkerung haben sich laut einer Studie etwa 60 Prozent des verfügbaren Impfstoffes gegen das Coronavirus gesichert. Während in den Industriestaaten also längst geimpft wird, haben die meisten Länder Afrikas bislang keine einzige Dosis erhalten.

Nur wenige Menschen sind auf der Lobengula Straße unterwegs. In dieser Straße in Bulawayo, der zweitgrößten Stadt Simbabwes, herrscht normalerweise geschäftiges Treiben, nicht so aber im Lockdown. Wegen der strengen Regeln sinken die Infektionszahlen wieder, und doch setzt auch Simbabwe auf Impfungen gegen Covid-19.

Bislang keinerlei Impfstoff

Das Land hat aber schlechte Karten, kritisiert der Journalist Gibson Nyikadzino aus der Hauptstadt Harare: "Der Nationalismus, den es bei den Impfungen gibt, dass europäische Länder sagen, wir geben erst Impfdosen ab, wenn bei uns alle Menschen geimpft sind, das zeigt doch die Ungleichheit auf der Welt. Afrika ist doch das Schlusslicht bei all diesen Entwicklungen."

Wie die meisten Länder Afrikas hat Simbabwe noch keinerlei Impfstoff erhalten. China will dem Land 200.000 Sinopharm-Impfdosen spenden, auch auf das COVAX-Programm der Weltgesundheitsorganisation setzt die Regierung in Harare, obwohl dafür die Finanzierung nach wie vor nicht steht. Alle Möglichkeiten aber müssten offen gehalten werden, sagt Agnes Mahomwa vom Covid-Krisenstab: "Wir gehen strategisch vor und ziehen alles in Betracht, wir legen uns auf nichts fest und schließen nichts aus. Denn wir wissen, dass wir bei diesem neuen Virus nicht alles auf eine Karte setzen können."

Am Ende der Fahnenstange

Vom Impfstart ist noch lange keine Rede, so lange Simbabwe nicht weiß, wann Impfungen überhaupt geliefert werden können. Dazu kommt, dass das Misstrauen gegenüber der eigenen Regierung wächst. Tatenda Mashanda studiert in Harare und sorgt sich schon jetzt darum, ob Impfstoffe überhaupt fair verteilt werden zwischen Stadt und Land und auch zwischen Arm und Reich.

Simbabwe sei generell eine ungerechte Gesellschaft, sagt der Student. Man müsse kein Wissenschaftler sein, um zu wissen, dass es Ungleichheit geben wird, so wie bei allen anderen öffentlichen Dienstleistungen und Gütern. "Ich hoffe und bete, dass die Eliten ein grundlegendes Bewusstsein und den Anstand haben, die Impfdosen nicht zu horten. Auch die am Ende der Fahnenstange müssen Zugang zu Impfungen haben."

 Keine Lösung in Sicht

Noch ist dieser Gedanke theoretisch, aber nicht jeder Simbabwer will geimpft werden. In dem Land kursieren vielfältige Verschwörungstheorien, und auch Levi Chimombe ist skeptisch: "Ich werde mich nicht impfen lassen, das hat zu viele Nebenwirkungen. Das kann zu Problemen mit der Atmung führen oder zu psychischen Schäden, zu Stress, also ich nehme das nicht."

Die Bedenken sind da bei den Simbabwern, und das in vielerlei Hinsicht. Dabei ist von Regierungsseite klar, dass Impfungen einen tragende Säule sein werden im Kampf gegen die Pandemie. Die aber sollten aus Afrika kommen, meint Tsungi Dhlamini aus Harare: "Es ist einfach an der Zeit, dass wir Entwicklungsländer selber etwas tun. Es ist nicht fair, immer darauf zu warten, dass andere für uns sorgen."

Eine Lösung aber ist schlichtweg noch nicht in Sicht, konkrete Ansagen und Daten fehlen. Das Land im südlichen Afrika kann weiterhin nur eines tun: Warten auf den Impfstoff.

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 9.2.2021, 9 bis 12 Uhr

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