Taliban in Afghanistan

Vor einem halben Jahr haben die Taliban Afghanistan erobert. Seitdem hat sich das Leben für die dort lebenden Menschen radikal geändert, das unmenschliche Regime der Taliban hat Leid und Elend über das Land gebracht. Wie sieht es ein halbes Jahr nach der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan aus?

Es klingt wie die Hölle auf Erden, was einige Afghanen in Hessen aus ihrer alten Heimat hören. So wie Saboor aus Frankfurt. Der 35-Jährige hat früher für die Bundeswehr im Norden Afghanistans als Übersetzer gearbeitet. Ein Teil seiner Familie ist noch dort und sieht immer wieder furchtbare Grausamkeiten.

Seine Schwiegermutter habe ihm erzählt, wie ein Junge von Taliban totgeschlagen wurde, nur weil er gefilmt hat, wie viele Menschen einen Reisepass beantragen, um das Land zu verlassen. Getötet, nur weil man filmt, wie viele Menschen das Land verlassen wollen – das ist nur ein Beispiel von vielen, wie die Taliban mit Afghanen umgehen.

Die meisten Berichte lassen sich nicht bestätigen

Überprüfen lässt sich das nicht, denn unabhängige Medien gibt es bei den selbsternannten Gotteskriegern nicht. Aber die Erlebnisse decken sich mit dem, was Rostam aus seiner alten Heimat hört. Der 22-Jährige wohnt inzwischen in Marburg. "Hilfskräfte, Soldaten, die bei der anderen Regierung gearbeitet haben, werden durch die Taliban tagtäglich ermordet", sagt Rostam. Insbesondere Frauen wie Schauspielerinnen, Musikerinnen und Sängerinnen würden tagtäglich ermordet werden. "Und kein Medium kann darüber berichten, weil keine ausreichenden Information da ist."

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Das Thema als Podcast: Das verlassene Land – Not und Elend in Afghanistan

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Die Bundesregierung weiß offiziell nur von einer ehemaligen deutschen Hilfskraft, die von den Taliban verfolgt und zwischenzeitlich ins Gefängnis gesteckt wurde. Alle anderen Berichte ließen sich nicht bestätigen. Siamak Soleimani von der Marburger-Studenteninitiative "Ich bin Afghanistan" findet das "ganz offen gesprochen sehr naiv". Denn die Ortskräfte würden sich immer noch in Kellern bei Menschen verstecken, die ihnen Unterschlupf gewähren, erzählt Soleimani. Damit diese Menschen nicht verfolgt, inhaftiert oder im schlimmsten Fall ermordet werden.

Die Taliban wissen sich mittlerweile zu inszenieren

Die Bundesregierung hat bis vor einem Monat über 20.000 Ortskräften die Zusage gegeben, dass sie nach Deutschland kommen dürfen. Allerdings steckt der Großteil wohl noch in Afghanistan fest. Als die Taliban vor einem halben Jahr das Land übernommen haben, hatten manche noch gehofft, sie hätten sich verändert. Wären weniger radikal als bei ihrer letzten Herrschaft Ende der 1990er. Diese Hoffnung ist inzwischen gestorben. Exil-Afghane Rostam meint, das Einzige, was sich geändert habe sei, dass die Taliban sich jetzt besser inszenieren können.

Abseits der Kameras, im Schatten der Weltöffentlichkeit, würden die Taliban dann ihr wahres Gesicht zeigen. Ex-Bundeswehrübersetzer Saabor aus Frankfurt ist sich sicher: Die Taliban warten nur noch darauf, dass sie international von mehr Ländern als Regierung anerkannt werden. "Viele Menschen wollen das Land verlassen. Keiner hat Interesse, da zu leben. Keine Freiheit mehr für das Volk", sagt er.

Er hofft, dass er seine Familienmitglieder bald ihre Pässe bekommen und es irgendwie schaffen, Afghanistan zu verlassen. Denn dass die Lage im Land unter den Taliban besser wird, glaubt er nicht.

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