Luftaufnahme Edersee in Hessen
Liegt die "Heimat" wirklich nur im Ländlichen? Bild © Imago

Zwar hat Hessen kein eigenes Heimatministerium, doch wird der Begriff in der Landespolitik groß geschrieben: Es gibt eigens ein Programm, das den ländlichen Raum fördern soll. Ist das neu?

"Land hat Zukunft - Heimat Hessen", heißt die Kampagne der Landesregierung, die in diesem Monat startet. Erster Termin: am Donnerstag besucht Sozialstaatssekretär Dippel ein Unternehmen in Freiensteinau im Vogelsbergkreis, um sich über das Thema Fachkräftesicherung zu informieren. Hinter dieser sogenannten Heimatoffensive stecke aber noch einiges mehr, erläuterte Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) im vergangenen Dezember. "Unsere Aufgabe muss es sein, dass überall in Hessern die Menschen gerne und in guter Zukunft leben. Und deshalb machen wir eine Initative für den ländlichen Raum. Da fangen wir nicht mit allem neu an. Manches verstärken wir. Wir haben aber auch neue Ideen", sagte Bouffier.

Mehr Gesundheit auf dem Land

Besonders wichtig aus Sicht des Regierungschefs ist die Stärkung der Gesundheitsversorgung auf dem Land. CDU und Grüne wollen die Übergabe von Arztpraxen erleichtern, Landarztstipendien fördern und den Kommunen dabei helfen, Gesundheitszentren einzurichten. Dort sollen stark beanspruchte Ärzte zusammenarbeiten und sich so unterstützen. Außerdem sollen sogenannte Gemeindeschwestern gefördert werden, die den Landärzten Hausbesuche abnehmen.

Arzthelferin Beate Peters aus Schenklengsfeld in Osthessen besucht Patienten schon seit einigen Jahren zu Hause. "Ich bin ein Mensch, der anderen gerne hilft", sagte sie. "Und so kann ich nicht nur meinem Chef helfen - was ich ja auch in der Praxis tun kann - sondern eben auch den Patienten zu Hause, die sich vielleicht nicht mehr so gut aufgehoben fühlen, die sich etwas vergessen fühlen, oder Angst haben, vergessen zu werden, wenn sie nicht mehr kommen können."

Alles nur Wahlkampf?

Weitere Mittel sollen in die Stärkung der Mobilität auf dem Land gehen. Dazu will die Landesregierung sogenannte Bürgerbusse fördern, also Kleinfahrzeuge, die dorthin fahren, wo der ÖPNV ausgedünnt ist, erzählt CDU-Fraktionschef Michael Boddenberg: "Wir werden beginnen zunächst mal mit der Finanzierung von 100 Bussen, die in den Kommunen unterwegs sind." Auch das Radwegenetz und das Schutzmannprogramm zur Erhöhung der polizeilichen Präsenz vor Ort werden ausgebaut. Alle Maßnahmen zusammengerechnet, kommt die Landesregierung auf ein Fördervolumen von 1,8 Milliarden Euro für den ländlichen Raum.

Alles nur Wahlkampf, findet Marius Weiß von der SPD. "Das macht die Landesregierung gerne bei ihren Offensiven", sagt er, "alles mögliche zu bündeln, am besten auch über mehrere Jahre hinaus, damit es besonders groß aussieht. In diesem Fall ist aber nichts Neues dabei. Da ist teilweise kommunales Geld dabei. Da sind Modelle, die schon längst bekannt sind und auch schon längst veröffentlicht wurden." Auch die FDP sieht in der Heimatoffensive eine Marketingkampagne auf Kosten der Steuerzahler. Man sieht also, selbst beim Thema Heimat finden Regierung und Opposition einfach nicht zueinander.

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Sendung: hr-iNFO, 14.2.18, 16:10 Uhr

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