Das Wort «dicht» steht an der Eingangstür einer wegen des aktuellen Lockdowns geschlossenen Galerie im Stadteil Sachsenhausen

Österreich hat begonnen, den Lockdown zu lockern – zu schwer wögen die wirtschaftlichen und sozialen Folgen, sagt die Regierung, obwohl die gesetzten Ziele noch nicht erreicht sind. Die Deutschen wollen das für ihr Land mehrheitlich zwar nicht. Doch der Frust wird auch hier größer, wie sich vor einem kleinen Kiosk in Hünfeld zeigt.

Barish betreibt einen kleinen Imbiss an der Straße in Hünfeld und er scheint einer derjenigen zu sein, die von der Corona-Pandemie profitieren. Denn auf dem kleinen Parkplatz vor dem Imbiss ist kein Parkplatz mehr frei. Viele kommen hierher, um sich einen Döner oder Hamburger abzuholen.

Unter den Kunden ist auch ein gutsituierter Mann, der aus seinem SUV steigt. Ihm ist der Frust der Pandemie deutlich anzumerken: "Ich bin Einzelhändler. Das geht schon wirklich langsam an die Substanz", sagt er. Das betreffe jetzt viele Ressourcen, ob im Berufs- oder Privatleben. "Der normale Tagesablauf – das brauchen wir. Wir sind gewohnt, dass wir was tun und das macht uns wirklich ein bisschen kirre im Kopf. Wir hoffen, dass wir irgendwann mal da rauskommen."

Das "Schöppchen" fehlt

Auch Barish ist ist irgendwie sauer. Trotz halbwegs guter Umsätze, denn Arbeit allein, so der junge Mann, könne doch nicht alles sein: "Ich persönlich vermisse die Fitnessstudios am meisten. Ansonsten ist es natürlich auch blöd, dass man nicht zum Frisör gehen kann und all die anderen Sachen, die man gerne getan hat in seiner Freizeit. Wie zum Beispiel in einem Restaurant was essen, mit der Freundin was trinken gehen. Es gibt einige Sachen, die man vermisst und von denen man jetzt langsam genervt ist."

Zwei Frauen schlendern auf dem Gehweg durch die stille Innenstadt von Hünfeld. Eine von ihnen zieht schnell die Kapuze über die wallende Haarpracht, sie sind augenscheinlich alles andere als glücklich über geschlossene Geschäfte und Dienstleistungseinrichtungen. "Natürlich, jeder will gerne Kaffee trinken gehen oder irgendwas Schönes machen", sagt eine von ihnen. Ihrer Freundin fehlt der Urlaub am meisten - "mit Freunden treffen, Wellness machen." Eva Lamberz und Marion Hemmelmann verstehen schon die Notwendigkeit der getroffenen Schutzmaßnahmen und den Lockdown, aber irgendwie haben auch sie die Nase langsam voll.

Und selbst Walter Trost, der als Rentner relativ entspannt auf die Situation reagiert, hofft darauf, dass auch in Deutschland bald wieder ein Besuch bei Freunden und vor allem mit Freunden möglich ist. "Mal wieder in eine Kneipe ein Schöppchen trinken" - das wäre schön, sagt Trost.

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 8.2.2021, 6 bis 9 Uhr

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