Ein Steingarten
Steingärten sind gerade in Mode, aber schlecht für das Mikroklima. Bild © picture-alliance/dpa

Die Deutschen finden immer mehr Gefallen an Schottergärten vorm Haus. Das Ganze hat aber negative Auswirkungen auf die Natur – und deshalb steuern mittlerweile Städte und Kommunen gegen. Hanau greift besonders hart durch.

Das Wohngebiet Venussee in Hanau. Hier stehen moderne, neue Einfamilienhäuser – und davor: Rasenflächen, Blumen, Hecken. Durch die Vorgärten schwirren Bienen und rundherum zwitschern Vögel. Kein Wunder: In einer Gestaltungssatzung hat die Stadt den Anwohnern nämlich vorgeschrieben, ihre Vorgärten möglichst grün anzulegen.

"Und wenn man da hingeht, sieht man das auch. Es fällt einem ins Auge, dass das ein anderes Quartier ist als eine Straße vorher. Man fährt um die Ecke und sieht, hier ist irgendwas anders, Und zwar schöner, grüner", erklärt Hanaus Stadtentwickler Martin Bieberle. Und tatsächlich: In den Nachbarstraßen ist es deutlich weniger grün. Statt blühenden Vorgärten dominieren graue Schotter- oder Steingärten. Und die sind der Stadt ein Dorn im Auge.

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"Kleine Heizöfen" sind schlecht für die Artenvielfalt

Deshalb hat die Stadtverordnetenversammlung beim Neubaugebiet Pioneer Park, das gerade im Entstehen ist, auch entschieden, Schottergärten auszuschließen. Auf dem ehemaligen Militärgelände entstehen rund 1.500 Wohnungen und Einfamilienhäuser, mehr als 4.000 Menschen sollen hier mal wohnen - und die dürfen keine Steingärten anlegen.

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"Steingärten sind insbesondere in Zeiten, in denen wir auf immer heißere Sommer zusteuern, kleine Heizöfen. Sie speichern Wärme", sagt Bieberle. Nachts gäbe es so keine echte Abkühlung und das sei schlecht für das Mikroklima der Stadt. Außerdem sind Steingärten schlecht für die Artenvielfalt. Denn wo es kein Grün gibt, haben Insekten und Vögel keinen Lebensraum.

Viele Städte setzen noch auf die Vernunft

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„Obwohl insgesamt das ökologische Bewusstsein steigt und die Menschen auf die Straße gehen, machen sie zu Hause genau das Gegenteil und richten sich eine kleine Todeszone vor dem Garten ein.“ Zitat von Alexander von Birgelen
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"Obwohl insgesamt eigentlich das ökologische Bewusstsein ja steigt und die Menschen auf die Straße gehen, machen sie zu Hause genau das Gegenteil und richten sich eine kleine Todeszone vor dem Garten ein", sagt Professor Alexander von Birgelen vom Institut für urbanen Gartenbau und Pflanzenverwendung an der Hochschule Geisenheim. Diese "kleinen Todeszonen" wollen jetzt immer mehr Städte verbieten.

Genau wie Hanau hat auch Fulda die sogenannte Vorgartensatzung geändert. In Kassel und in Wiesbaden ist das ebenfalls geplant. Und in einigen anderen Städten wird zumindest darüber diskutiert. In Frankfurt, Offenbach, Gießen, Marburg und Darmstadt sind Steingärten und mögliche Verbote auch Thema, aber noch setzen die Städte auf die Vernunft der Anwohner. Überall gilt: Wer schon einen Steingarten hat, wird nicht gezwungen, ihn wieder zu bepflanzen. In Hanau denkt man aber darüber nach, Steingärten auch in anderen Neubaugebieten auszuschließen. Das Ziel: Mehr Grün statt Grau.

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