Über einem Weizenfeld scheint die Sonne
Die Hitzewelle sorgt dafür, dass die Bauern früher ernten. Bild © picture-alliance/dpa

Die Trockenheit bringt Probleme für die Landwirte. Egal ob Getreide, Obst, Heu oder Rüben: Die Pflanzen kämpfen mit dem Wassermangel und bringen weniger Ertrag.

Ein Stoppelfeld in Wiesbaden-Kloppenheim. Landwirt Joachim Braun stößt den Schuh in den Boden. Sofort erhebt sich eine Staubwolke. Den meisten Winterweizen hat Braun schon geerntet. Drei bis vier Wochen zu früh. Heute sind die letzten fünf Hektar dran. Das Getreide noch in der Sonne stehen lassen: zwecklos. Das einzelne Korn wächst nicht mehr, weil es nicht mehr mit Wasser versorgt wird. Wenn es jetzt regnen würde, wäre die ganze Ernte hin.

Kosten gleichen Erlös

In einer Lagerhalle liegen die rötlich-beigen Weizenkörner, aufgetürmt zu riesigen Haufen.  Landwirt Joachim Braun lässt sie frustriert durch die Finger rinnen. "Das ist alles kleinkörnig. Die Qualität hat gelitten. Und wir haben bestimmt ein Drittel der Ernte an Einbußen", klagt er.

Manche nennen die frühe Ernte bei zu kleiner Körnergröße eine Noternte. Doch Braun verweist bei dem Begriff auf Brandenburg. Dort habe das Getreide dieses Jahr gar kein Korn hervorgebracht. Aber auch Braun wird Einbußen haben. Er rechnet wenn es gut läuft mit einer Nullrunde. Kosten und Aufwand werden etwa so hoch sein wie der Erlös.

Industrie will Preise drücken

Noch weiß Joachim Braun gar nicht, ob er seinen Weizen überhaupt los wird. Die großen Mühlen würden für ihre Verarbeitung quasi genormte Größen verlangen. "Die Industrie versucht halt immer irgendwie, den Preis zu drücken für die Landwirte. Zu meiner Kindeszeit hätte kein Bäcker danach gekräht, ob das ein dickes oder ein kleineres Korn ist. Aber die Zeiten haben sich gewandelt."

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Früher hätten die Großeltern seiner Frau das Getreide in die Mühle vor Ort gebracht. Die habe für die örtlichen Bäckereien gemahlen. Heute läuft alles überregional. Es sei nur noch Weizen gefragt. Dabei wäre es für die Felder besser, zwischendurch mal Roggen anzubauen.

Immerhin das Stroh gefällt

Neben Getreideanbau stehen auf dem Luisenhof der Brauns 40 Pensionspferde. Und die Familie hat Obstbäume. Doch die Äpfel haben Sonnenbrand und die Aprikosen sind wie aus Gummi. Auch Brauns Sohn hat Probleme. "Der hat mit Rindern angefangen und dem fehlt jetzt der zweite Schnitt Gras als Viehfutter für den Winter, weil durch die Trockenheit nichts mehr wächst", so Braun Senior.

Aber alles habe Vor- und Nachteile, sagt Braun. Auf seinen Flächen gibt es so gut wie nie Unwetter. Und das Stroh für die Pferdeställe ist dieses Jahr ausgezeichnet: schön trocken.

Sendung: hr-iNFO, 18.07.2018, 15.20 Uhr

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