Dichter Verkehr auf der A66 kurz vor dem Schiersteiner Kreuz
In Wiesbaden stehen Autofahrer zu Stoßzeiten rund 20 Prozent der Fahrtzeit im Stau. Bild © Imago Images

Der Stau in Deutschlands Städten nimmt zu. Das sorgt auch bei Pendlern in Frankfurt, Kassel und Wiesbaden für Frust. Was vor dem Verkehrskollaps schützt? Bessere Planungen.

Der Mensch kann sich im Auto schnell fortbewegen, ohne Energie aufzuwenden. Das findet ein uralter Teil unseres Gehirns toll, erklärt Verkehrsforscher Hermann Knoflacher. Auf erzwungenen Stillstand, auf Stau, reagieren Fahrer und Fahrerin dann emotional.

In Frankfurt steht ein Autofahrer zu Stoßzeiten 20 Prozent seiner Fahrt im Stau. In Wiesbaden ist es ähnlich, in Darmstadt und Kassel stehen die Pendler nur 15 beziehungsweise 13 Prozent ihrer Zeit. Der Kasseler steht im Schnitt immer noch 22 Stunden im Jahr, also fast zwei volle Tage.

Bescheidene Ziele in Wiesbaden

Weitere Informationen

Mit Vollgas in den Verkehrskollaps

Das Erste zeigt am Montagabend (21.45 Uhr) eine Reportage über den Stau in deutschen Städten. Es geht um frustrierte Pendler, aber auch um mögliche High Tech Lösungen. Eine Vorschau zu "Mit Vollgas in den Verkehrskollaps" finden Sie hier.

Ende der weiteren Informationen

Der Stau bin ich: Diese Erkenntnis setzt sich nicht durch. Ein Mittel, die Menschen aus dem Auto in den öffentlichen Nahverkehr zu bewegen, ist es, Parkraum zu verknappen. Das hat Andreas Kowol (Grüne), Verkehrsdezernent in Wiesbaden, gerade am zweiten Ring getan. "Bisher gibt es eine Reihe von Beschwerden. Da habe ich Verständnis für, nur wir müssen diese Maßnahme jetzt umsetzen. Am Ende muss es möglich sein, mehrere tausend Fahrzeuge vom ersten Ring auf den zweiten Ring zu verlagern", sagt Kowol

Auf dem eng bebauten ersten Ring in Wiesbaden fahren täglich 60.000 Autos. Völlig unverträglich, sagt Kowol. Und der Verkehr nehme zu, weil die Bevölkerung wächst. Kowols Ziel ist erst mal bescheiden: Es soll nicht schlechter werden.

Mehrere Bausteine zur Verkehrsvermeidung

Für Busfahrer ist der dichte Verkehr schon jetzt extremer Stress. "Wir haben leider erhebliche Probleme bei der Einhaltung des Fahrplans. Wir haben viele Beschwerden aus den Stadtteilen", so Kowol. Mehr Busse seien keine Lösung. Eine Citybahn, eine Straßenbahn, soll her. Die Planungen laufen. Das dauert und kann an einem Bürgerentscheid scheitern.

Es gibt mehr Bausteine zur Stauvermeidung: Bessere Zugverbindungen in den Rheingau, nach Niedernhausen und nach Frankfurt. Neue Leihfahrräder, eine Kombination von Bus und Car-Sharing, mehr Park and Ride, ein Kampf gegen Mama-Taxis und zum Beispiel speziell buchbare Parkplätze für Paketdienste, damit die nicht mehr im Weg stehen.

Drohendes Dieselfahrverbot macht Druck

Auch an neuen und sichereren Radwegen wird gearbeitet – Wiesbadens große Schwachstelle. Der Platz ist eng. "Da stehen wir in Konkurrenz zu anderen Nutzungen und da es ist am Ende schon schwierig, das richtige Maß zu finden", erklärt der Grüne.

Ein drohendes Dieselfahrverbot macht den Planern jetzt Druck. Doch zum Teil hängen die Menschen an ihren Autos und zum Teil sind die Alternativen nicht gut genug. Und so kann sich der Wiener Verkehrsforscher Knoflacher weiter über Menschen wundern, die sich mit dem Auto den eigenen Lebensraum kaputt machen.

Sendung: hr-iNFO, 30.07.2018, 6.40 Uhr

Jetzt im Programm