Der Osten Afrikas wird derzeit von der schlimmsten Heuschreckenplage seit 25 Jahren heimgesucht.

Die massive Heuschreckenplage im Osten Afrikas weitet sich aus. In kurzer Zeit vernichten die Tiere Nahrung, von der 80 Millionen Menschen einen Tag lang essen können. Experten warnen vor einer dramatischen Hungersnot, wenn die internationale Gemeinschaft nicht bald stärker eingreife.

Ein Dorf in der Samburu-Region in Kenia. Hier haben die Heuschrecken schon ihr Unwesen getrieben. Plötzlich waren sie da und fraßen alles kahl. "So etwas habe ich noch nie gesehen", sagt ein Dorfbewohner. "Ich war total schockiert. Sie haben das ganze Gras vertilgt und die Felder zerstört. Unser Vieh hat nichts mehr, was es fressen kann."

Schwärme so groß wie das Saarland

In Kenia sind im Moment die meisten Heuschrecken unterwegs. Ein Schwarm kann sich über eine Fläche erstrecken, die so groß ist wie das Saarland. Die Insekten vernichten in kurzer Zeit Nahrung, von der 80 Millionen Menschen einen Tag lang essen könnten, sagt Dominique Burgeon von der UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft vor. Das gebe eine Vorstellung vom Ausmaß der Krise, meint er. Es müsse jetzt sofort etwas unternommen werden.

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Heuschrecken fliegen über ein Feld in Ostafrika
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Außer Kenia sind auch mehrere Nachbarländer betroffen. Besonders verheerend ist die Situation in Somalia. Die Regierung hat wegen der Plage den Notstand ausgerufen. Hier war die Ernährungssituation nach einem Wechsel von Dürren und Überschwemmungen zuletzt sowieso schon schwierig. Die UN befürchten, dass viele Menschen Hunger leiden werden.

Warten auf die nächste Generation

"Wir müssen dafür sorgen, dass sich die Situation nicht weiter verschlechtert", warnt Dominique Burgeon. Bald werde die nächste Generation der Heuschrecken kommen und das werde mit der Pflanzsaison zusammenfallen, die in manchen der betroffenen Länder im April oder Mai beginnt.

Schlimmste Prognosen gehen davon aus, dass sich die Heuschrecken bis Juni um das 500-fache vermehren könnten. Ein Großteil der Ernten würde dann vernichtet. Die zuständige UN-Organisation hat um 76 Millionen Dollar Soforthilfe gebeten. Aber davon sind bisher nicht mal 20 Millionen zusammengekommen, zum Großteil aus eigenen Töpfen der Vereinten Nationen.

Millionen Menschen könnten Nahrungsmittelhilfe benötigen

"Es wird Zeit, dass die internationale Gemeinschaft die Dringlichkeit begreift", sagt Dominique Burgeon. "Sonst werden Millionen von Menschen Nahrungsmittelhilfe benötigen und es dauert Jahre, bis wir die Situation unter Kontrolle bekommen."

Einziges Mittel bisher gegen die Heuschrecken: das Sprühen von Pestiziden, aus der Luft und am Boden. Allerdings sind nach Meinung der Betroffenen zu wenig Maschinen im Einsatz. Oft bleiben nur die ganz einfachen Methoden, um die Insekten zu vertreiben. Wie in einigen Dörfern in Kenias Samburu-Region: "Wir machen Krach, indem wir Holz aneinander schlagen, aber das vertreibt sie nicht wirklich", sagt ein Dorfbewohner. "Du scheuchst sie dann nur zum nächsten Dorf hinüber und die scheuchen sie wieder zurück."

Was den Heuschrecken in diesem Jahr in Ostafrika so besonders gut gefällt, ist das feuchte Klima. Es hat über Monate viel zu viel geregnet. Optimal für die Vermehrung der Insekten. Die Vorhersagen gehen davon aus, dass die nächste lange Trockenperiode noch Monate auf sich warten lässt.

hr-iNFO Aktuell, 13.2.2020, 15 bis 18 Uhr

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