Schutt, Bäume und sogar Autos sind nach dem Hochwasser an einer Ahrbrücke in Rheinland-Pfalz hängengeblieben. (dpa)

Die Hochwasser-Katastrophe in Rheinland-Pfalz und NRW kam nicht ohne Vorwarnung: Bereits am Montag hatte der Deutsche Wetterdienst über die Extrem-Wetterlage informiert. Wieso sind trotzdem so viele Menschen von den Fluten überrascht worden und ertrunken? Ein Einblick in Prozesse und Entscheidungen im Katastrophenschutz.

Die Katastrophe kam nicht ohne Vorwarnung. Mehr als zwei Tage, bevor der sintflutartige Regen in der Eifel und im Bergischen Land Bäche in reißende Flüsse verwandelt hat, war beim Deutschen Wetterdienst in Offenbach klar: Es kann schlimm werden. Die Prognosemodelle hatten laut DWD-Sprecher Andreas Friedrich schon am Montag voriger Woche gezeigt, "dass da eine ganz extreme Wetterlage kommt mit Starkregen." Das sei auch der Anlass dafür gewesen, dass der DWD am Montagvormittag eine Vorab-Information für die Region herausgegeben habe, die noch etwas größer gewesen sei als das spätere Warngebiet: Bis Donnerstag könnten dort örtlich "bis zu 200 Liter Regen auf den Quadratmeter fallen."

Alarm kam frühzeitig

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hatte also frühzeitig Alarm geschlagen – etwa über die eigene WarnWetter-App. Verbreitet wurden die Hinweise auch über die Warn-App Nina und das Modulare Warnsystem (MoWaS). Der Wetterdienst betreibt außerdem das Info-Portal FeWIS, das eigens für den Katastrophenschutz entwickelt worden ist und laut Friedrich die genauesten Daten liefert.

Dann gehe man nochmal gezielt und zum Teil mit dezidierteren Informationen an die Leitstellen, an die Katastrophenschutzstäbe, erklärt Friedrich. Und: "Diese Vorhersagemodelle gehen auch alle sechs Stunden an die Hochwasserzentralen der Länder. Und die Kollegen, das sind dann Hydrologen, berechnen dann Pegelstände oder Hochwasserfluten an den Flüssen."

"Entscheidung zu treffen, ist nicht einfach"

Zu beurteilen, was die Fluten zum Beispiel in einem Talkessel in der Eifel anrichten können und was zum Schutz der Bevölkerung zu tun ist, sei nicht Aufgabe des Wetterdienstes, betont Friedrich. Koordiniert wird der Katastrophenschutz von Städten und Landkreisen. Auch die Rettungsleitstelle in Dietzenbach im Kreis Offenbach ist ans Wetterwarnsystem FeWIS angeschlossen. Leiter Ralf Ackermann, der Präsident des hessischen Feuerwehrverbands, zeigt auf zwei große Bildschirme: "Hier können Sie anschauen, welche Zellen entstehen. Allerdings ist immer die Frage: Ab welchem Moment reagieren Sie wie?"

Vor knapp zwei Jahren hat ein Sturm mit Orkanstärke im Kreis Offenbach eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Die Superzelle hatte sich sehr schnell aufgebaut, die Vorwarnzeit war minimal. Auch angesichts dieser Erfahrung sieht Ackermann frühe Schuldzuweisungen an die Krisenstäbe im Hochwasser-Gebiet kritisch: "Wir müssen uns die Informationen holen und Entscheidungen treffen. Sie sehen manchmal eine dynamische Lage, die sich innerhalb von Minuten ändert. Und dann die Entscheidungen zu treffen, ist nicht einfach."

Warnmitteilung an alle Mobiltelefone nicht möglich

Ein Schwachpunkt ist aus Ackermanns Sicht, dass vor der Flutkatastrophe keine Warnmitteilung an alle Mobiltelefone im Gebiet verschickt werden konnte. Was sich in den Niederlanden und anderswo bewährt hat, gibt’s in Deutschland nicht: "In einem Einzugsbereich wird automatisch von Seiten des Staates alarmiert. Das fehlt bei uns. Und das ist etwas, das unserer Auffassung nach geändert werden muss."

Mit Warn-Apps und Handy-Alarm sind natürlich nicht alle Menschen zu erreichen. Deshalb müssen auch Rundfunk-Anstalten reagieren, wenn’s ernst wird. Und auch die vielerorts abmontierten Sirenen haben noch nicht ausgedient, sagt Andreas Friedrich vom Deutschen Wetterdienst: "Wenn man abgeschnitten ist vom Handynetz oder vom Stromnetz, dann hat man ein Problem, so eine Warnung über die App zu bekommen." Sirenensysteme könnten da seiner Ansicht nach sicher hilfreich sein. "Und so wie ich’s jetzt gehört habe, ist das ja auch schon eine Erkenntnis aus dieser Katastrophe: dass man dort jetzt versucht, wieder Verbesserungen herzustellen."

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