Familie Goronzy
Oma Katharina Sprenger mit ihrer Tochter Tatjana Goronzy beim Weihnachtsessen Bild © privat

Oma wohnt zusammen mit Tochter, Schwiegersohn und Enkeltochter in einem Haus: Ein schönes Modell für die Familie Goronzy aus Karben. Doch die zunehmende Demenz-Erkrankung der 90-Jährigen macht das Zusammenleben immer schwieriger. Oma Sprenger braucht eine stationäre Pflege im Heim, aber dieser Schritt fällt der Familie schwer.

Katharina Sprenger kommt nach Hause und lacht ihren Schwiegersohn Karl Werner Goronzy an. Sie ist eine gepflegte alte Dame, die 90-Jährige wirkt auf den ersten Blick gar nicht hilfsbedürftig. Gerade kommt sie aus der Tagespflege: "Vom Kindergarten", sagt sie und kichert. Eine aufgeweckte Omi mit einer guten Portion Humor – das ist der erste Eindruck. Erst als sie anfängt, Sätze zu wiederholen, deutet sich an, woran sie leidet: Demenz, die ihr Gedächtnis, ihr Denken, ihre Orientierung beeinflusst.

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Es gibt sie, diese schönen Momente, in denen die 90-Jährige zusammen mit ihrer Familie lacht. Noch leben alle zusammen in einem Haus. Aber der Alltag wird immer schwieriger, erzählt Tochter Tatjana Goronzy: "Meine Mutter vergisst zu essen. Oder sie isst viel. Wir sehen das ja anhand der Lebensmittel, dass sie das nicht mehr auf dem Schirm hat. Fünf Joghurts hintereinander, ohne dass sie weiß, dass sie ja schon welche gegessen hat. Oder aber sie ist gar nichts." Das Vergessen zieht sich durch alle Lebensbereiche - von den Medikamenten bis zum Topf mit Butter, den sie auf dem Herd vergisst – bei höchster Kochstufe.

"Wir können ihr nicht mehr gerecht werden"

Im Haus der Goronzys hat die Mutter ihre eigene kleine Wohnung, aber alleine kann sie nicht mehr bleiben. Die Tagespflege hilft in den Stunden, in denen die Goronzys arbeiten gehen. Danach und davor aber und an den Wochenenden müssen sie sich um die 90-Jährige kümmern: "Wenn sie den ganzen Tag hier ist und ich bin mit ihr zusammen - sie fordert mich eigentlich den ganzen Tag, dass ich mich mit ihr beschäftige", erzählt Tochter Tatjana Goronzy.

Freizeit und Entspannung für Tatjana Goronzy? Gibt es nicht mehr. Das geht an die Substanz, Woche für Woche. Aber dass die Familie über einen Heimplatz für die Mutter nachgedacht hat, hat noch einen anderen Grund: "Ausschlaggebend war wohl, dass wir alle gemerkt haben, dass wir ihr nicht mehr gerecht werden können. Das, was sie braucht an Fürsorge, an Aufmerksamkeit, das können wir so nicht mehr leisten."

"Es fühlt sich nicht richtig an"

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Also haben sie es getan: einen Heimplatz angefragt und die Zusage schon bekommen. Wenn ein Platz frei wird, kann die Mutter ins Heim. Im Kopf ist alles klar für Tatjana Goronzy. Im Bauch sind Schmerzen. "Meine Mutter war immer für mich da, sie hat für mich gesorgt und eigentlich möchte man das gerne zurückgeben", erzählt sie. Jetzt habe es sich umgedreht und es fühle sich an wie: "Ich geb' sie weg, weil ich es mir leicht machen will. Das sieht so aus, als wollte ich sie nicht mehr haben und es fühlt sich einfach nicht richtig an."

Wie wird es der Mutter gehen im Heim? Wie wird es zu Hause sein, wenn sie nicht mehr da ist - sie, die so gerne mal ein Liedchen anstimmt? Tatjana Goronzy hat Tränen in den Augen, während sie ihrer Mutter zuhört. Der langsame Abschied hat begonnen. 

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hr-iNFO-Serie: "Wohin im Alter? Wenn die Eltern Pflege brauchen"

Wir werden die Familie Goronzy weiter begleiten und uns mit ihnen den Fragen stellen, die das Thema Pflege aufwirft: Wie finde ich das richtige Heim? Wie gelingt der Übergang? Welche Kosten entstehen? In den nächsten Wochen im Radio und hier auf unserer Webseite.

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