Ursula von der Leyen

Die Europäische Union hat bei der Beschaffung von Corona-Impfstoffen alles andere als eine gute Figur gemacht, meint unser Kommentator. Ursula von der Leyen hat ihren Ruf als Krisenmanagerin längst verspielt.

Ursula von der Leyen versucht, einen Ruf als Covid-Krisenmanagerin der EU zu retten, den sie längst verloren hat. Zu stark habe man sich auf die Impfstoff-Entwicklung fokussiert. Und zu spät auf die Frage, wie dieser Impfstoff in ausreichender Menge für die EU produziert werden kann, lautet der Erklärungsversuch der EU-Kommissionspräsidentin.

Naheliegende Fragen wurden misachtet

Tatsache ist, dass Biontech aus Mainz bereits im letzten Frühsommer klar war, dass man einen höchst vielversprechenden Impfstoff in der Pipeline der klinischen Versuche hatte. Und da Brüssel dieses Startup-Unternehmen mit viel EU-Geld fördert, musste der von der Leyen-Kommission auch klar sein, dass es mit der Massenproduktion schwierig würde.

Biontech hatte noch nie ein Medikament am Markt platziert. Und Biontechs Partner Pfizer ist vor allem auf den amerikanischen Markt ausgerichtet und nicht auf den europäischen. Doch die EU-Kommission konzentrierte sich nicht auf die naheliegende Frage, welche bereits bestehenden Anlagen von Pharmakonzernen und Pharmazulieferern in Europa auf die Covid-Impfstoffproduktion umgerüstet werden können, wie es seit kurzem in Marburg, Halle und Frankfurt geschieht.

Begrenzte Kompetenzen statt Chefsache

Stattdessen verhedderte sich das von der Leyen-Team in monatelangen Preiskämpfen mit den Impfherstellern. Um dann stolz bekannt zu geben, wie preisgünstig die EU im Vergleich zu den USA und Großbritannien an einen Impfstoff kommt, der nur leider jetzt nicht in ausreichender Menge hergestellt werden kann.

Statt die Impfstoff-Beschaffung sofort zur Chefsache zu machen, überließ die Kommissionspräsidentin und Medizinerin Ursula von der Leyen Europas überlebenswichtigste Herausforderung monatelang ihrer Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides, deren überschaubares Engagement und begrenzte Kompetenz nicht nur in Brüssel bekannt ist.

Auch Angela Merkel betroffen

Und als das Impfstoff-Debakel der EU seinen peinlichen Höhepunkt erreichte und die Kommission allen Ernstes Exportkontrollen ausgerechnet an der sensiblen Grenze zu Nordirland vorschlug, versuchte von der Leyen, die Schuld für diesen hochgradigen Dilettantismus ihrem Handelskommissar Valdis Dombrowskis in die Schuhe zu schieben.

Spätestens da begann die von der Leyen-Dämmerung in Brüssel, die auch durch halbherzige und zu späte Entschuldigungsversuche nicht mehr aufzuhalten ist. Und die auch von der Leyens mächtigste Förderin nicht unangetastet lässt: Angela Merkel.

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