Burgerfleisch aus Insekten

Seit gut einem Jahr sind Insekten in der EU als Lebensmittel zugelassen. Aber ist Insektenessen wirklich gesund und gut für die Umwelt? Und was geben deutsche Supermärkte überhaupt her für die, die's versuchen wollen?

Unsere Wissenschaftsredakteurin Judith Kösters hat die wichtigsten Erkenntnisse zusammengefasst:

Erkenntnis Nummer 1: Insektenessen ist gut fürs Klima

Laut einem Bericht der Weltnährungsorganisation FAO entstehen bei der Insekten-Haltung deutlich weniger CO2 und andere klimaschädliche Gase als bei konventioneller Viehhaltung. Danach produzieren Schweine je nach Haltungs- und Produktions-Bedingungen 10 bis 100 Mal mehr Treibhausgase pro Kilogramm Körpermasse als etwa Mehlwürmer – bei einem ähnlichen Proteingehalt und Nährwert für den Menschen.

Auch beim Verbrauch von Land und Wasser kommen die Insekten mit einem Bruchteil aus. Insekten brauchen schlicht weniger Futter. Sie sind Kaltblüter und müssen anders als Rinder, Schweine und Hühner keine Energie darauf verwenden, ihre Körpertemperatur konstant zu halten.

Erkenntnis Nummer 2: Insektenessen ist gesund

Insekten liefern Proteine – genau wie Steak und Kotelett. Proteine, also Eiweiße, sind für Menschen überlebenswichtig. Und Protein ist nicht gleich Protein. Proteine von Insekten aber haben unterm Strich die gleiche Qualität wie Proteine von Rind oder Schwein – sagt Arnold van Huis von der niederländischen Universität Wageningen, der die Ernährung mit Insekten schon seit über 20 Jahren erforscht.

In vieler Hinsicht seien die Insekten sogar gesünder. So sei etwa der Anteil der ungesättigten Fettsäuren bei Insekten etwas höher. Für die Weltbevölkerung sei aber "vor allem wichtig, dass Insekten mehr Eisen und Zink liefern, denn etwa ein Viertel der Menschen weltweit leidet an Eisenmangel und 17 Prozent an Zink-Mangel", so van Huis.

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Eine Frau isst ein Insekt
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Erkenntnis Nummer 3: Insektenessen ist eklig.

Zumindest für die meisten Europäer. Denn was wir essen oder nicht, ist kulturell geprägt. Aber was als normal und was als eklig gilt, kann sich ändern - manchmal innerhalb weniger Jahre. Siehe das Phänomen Sushi: Noch vor 15 Jahren hätten sich die meisten davor geekelt, rohen Fisch zu essen. Heute gibt es Sushi zumindest in größeren Städten an jeder Ecke und im Supermarkt – ohne Ekel-Faktor.

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Simone von der Forst
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Interessante Erkenntnis einer Marketing-Studie zum Insektenkonsum: Von 100 Probanden, die über die gesundheitlichen Vorteile vom Insekten-Verzehr sowie über den positiven Effekt für die Umwelt aufgeklärt wurden, waren anschließend 60 bereit, eine Praline aus Mehlwürmern und dunkler Schokolade zu probieren. Von 100 Probanden, denen man den Verzehr von Insekten dagegen als trendy und und exquisit verkaufte, waren es mehr - nämlich 75. Sprich: Dem Insekten-Ekel-Faktor begegnet man leichter mit Genuss-Propaganda als mit Vernunft-Argumenten.

Erkenntnis Nummer 4: Insektenessen hilft auch indirekt

Man muss die Insekten nämlich gar nicht unbedingt selbst essen, um der Umwelt etwas Gutes zu tun – es kann auch schon helfen, wenn die Rinder oder Hühner, deren Fleisch man isst, mit Insekten-Mehl statt etwa mit Soja gefüttert wurden. Das gilt besonders dann, wenn die Insekten mit Bio-Abfällen ernährt wurden, die ansonsten verkommen würden, sagt Insekten-Pionier van Huis: "Einige Insekten essen fast alle biologischen Abfallprodukte, sogar Tiermist oder Lebensmittel-Abfälle. Das ist nicht zugelassen, aber technisch möglich." Insekten als Tierfutter – in der Fischzucht ist das schon erlaubt. So landen also auch jetzt schon indirekt Insekten-Proteine auf unseren Tellern – und verbessern so die Ökobilanz.

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Insekten im Supermarkt: Was gibt der deutsche Markt her?

Von Boris Kern

Etwa 1900 essbare Insektenarten gibt es weltweit. Und bei etwa  einem Viertel der Weltbevölkerung stehen Insekten auf dem Speiseplan. Einige wenige davon sind mittlerweile auch in deutschen Supermärkten angekommen. Etwa bei der Einzelhandelskette Kaufland: Dort gibt es Grillen und Würmer, und die werden in verschiedenen Zubereitungen angeboten, sagt Pressesprecher Rüdiger Teutsch: "Wir haben zum Beispiel die Insekten als Snacks mit Salz-Essig-Gewürz oder mit Barbeque-Geschmack. Dazu gibt es aber noch verschiedene Insekten-Protein-Riegel, die mit Feige, Banane oder Apfel-Zimt gewürzt sind."

Teutsch sieht zumindest theoretisch ein wirtschaftliches Potenzial für den Insekten-Nahrungsmittel-Markt. Viele Menschen in Deutschland seien durchs Fernsehen darauf aufmerksam geworden, dass man Grillen und Würmer essen könne. "Und jetzt fragen sich einfach viele, wie schmecken die Insekten denn eigentlich? Von daher ist das Interesse an Insekten im Moment besonders groß." Es bliebe aber abzuwarten, ob der Trend wirklich anhalte.

Die größten Hürden für Insekten auf dem Speiseplan sind hierzulande wohl Ekel und Fremdheit. Deshalb setzen viele Unternehmen, die Insekten zu Nahrungsmitteln verarbeiten, auf die Optik und vor allem auf den Geschmack. So auch die Gründer des Start-Ups Bug-Foundation. Sie produzieren Hamburger-Frikadellen aus Buffalowürmern. Und sie machen die Insekten bei der Verarbeitung für den Verbraucher unsichtbar.

"Wir haben von vornherein gesagt, wir wollen, dass man keine Insektenteile im Produkt sieht, weil der Kunde davon erst mal abgeschreckt wäre", sagt Max Krämer, einer der Gründer des Start-Ups. Man wolle ein Produkt machen, was wirklich Mainstream-tauglich ist: "Weil wenn die Leute es nicht mögen, dann kann es so nachhaltig und gesund sein, wie es will, dann wird es halt keiner kaufen."

Die Insekten-Frikadellen von Bug-Foundation stehen mittlerweile in über 1.000 deutschen Supermärkten - auch in Frankfurt. Ob Insekten allerdings hierzulande einmal das Fleisch der Zukunft sein werden, bleibt abzuwarten.

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Sendung: hr-iNFO, 20.02.2019, 6:10 Uhr

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