Kippaträger vor Synagoge

Seit die Gewalt im Nahen Osten eskaliert, habe sich auch die Stimmung in Deutschland gegenüber Juden verändert. Eine solche Atmosphäre habe er noch nicht erlebt, sagt ein jüdischer Gastronom aus Frankfurt. Er bekommt inzwischen regelmäßig anonyme Anrufe.

Nir Rosenfeld betreibt in Frankfurt drei Restaurants. Der jüdische Gastronom erzählt, so eine Stimmung, so eine Atmosphäre wie jetzt habe er bisher in Deutschland noch nicht erlebt: "Ganz, ganz schlimm. Ich bin jetzt seit 18 Jahren hier und bin ein sehr optimistischer und positiver Typ und mir ging es noch nie so schlecht. Ich bin an der Grenze."

Audiobeitrag

Podcast

Zum Artikel Israel - warum kommt das Land nicht zur Ruhe?

Israel
Ende des Audiobeitrags

Das hat natürlich mit dem Nahost-Konflikt zu tun. Rosenfeld macht sich Sorgen, nicht so sehr um sich selbst, wohl aber um seine Familie und um seine Restaurants: "Alle haben Angst", sagt er. Außer ihm verwende kein Israeli oder Jude, den er kenne und der ein Restaurant in Frankfurt betreibe, das Wort Israel oder habe eine Israelfahne im Laden. "Warum? Weil wer weiß, es kommt nochmal ein Krieg, dann kommt die ganze Hasswelle. Man braucht das nicht." Er selbst aber fragt sich: "Warum soll ich mein Restaurant nicht israelisch nennen? Genau wie ein argentinisches Restaurant, italienisches Restaurant oder palästinensisches Restaurant."

Neue Form des Antisemitismus

In seinen Restaurants gebe es jetzt regelmäßig anonyme Anrufe, in denen "Free Palestine" gerufen werde. Auch er, sagt Rosenfeld, sei für ein eigenständiges Palästina. "Ich bin ein Mensch, der für alle Menschen steht. Und mir bricht es das Herz, wenn ein Mensch, ein Kind stirbt in Gaza genauso wie ein Kind, ein Mensch in Tel Aviv. Das ist überhaupt kein Unterschied."

Der Gastronom hat in Frankfurt Demonstrationen gesehen, auf denen purer Hass gegen Israel verbreitet worden sei, erzählt er. Für Rosenfeld eine neue Form des Antisemitismus. "Die Idee, dass ein demokratisches, freies Land genau in der Mitte im Nahen Osten steht, wo nirgends Freiheit und nirgends Demokratie ist, ist ein Problem", meint er. Das sei der Grund für die Kämpfe. "Wenn das wirklich nur um Religion gegangen wäre oder nur um Land, würden wir schon lange Frieden haben, so wie wir mit Ägypten schon Frieden haben, mit Jordanien Frieden haben."

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 20.5.2021, 15 bis 18 Uhr

Jetzt im Programm