Auf einem Wegweiser steht "Ferienwohnungen"

Wegen der steigenden Fallzahlen haben einige Bundesländer das sogenannte Beherbergungsverbot für Reisende aus Corona-Risikogebieten eingeführt. Das Echo auf die Maßnahme fällt geteilt aus. Auch in der hr-iNFO-Redaktion.

Die meisten Bundesländer hatten am Mittwoch beschlossen, dass Bürger aus Orten mit sehr hohen Corona-Infektionszahlen bei Reisen innerhalb von Deutschland nur dann beherbergt werden dürfen, wenn sie einen höchstens 48 Stunden alten negativen Corona-Test vorlegen können. Greifen soll dies für Reisende aus Gebieten mit mehr als 50 Neuinfektionen je 100.000 Einwohnern binnen sieben Tagen. Eine sinnvolle Maßnahme? Ein Pro und Contra.

Pro Beherbergungsverbot

Von Andreas Reuter

Sage keiner, ich wollte nur anderen Menschen die Herbstferien vermiesen: Ich arbeite und wohne ja selbst in zwei Berliner Bezirken mit besonders hohen Inzidenz-Raten deutlich über 50. Und doch finde ich: Ja, das Beherbergungsverbot ist richtig. Zugegeben, da ist einiges schiefgegangen. Die Regeln sind uneinheitlich und verwirrend. Und nicht alle Länder machen mit. Aber deswegen das Ganze gleich wieder abblasen? Was für ein Armutszeugnis.

Man sollte es halt richtig machen. Einheitlich und mit klaren Spielregeln. Denn eigentlich ist es doch nur logisch: Wer in einer Superspreader-Stadt wohnt, sollte nicht noch zum Spaß in der Republik herumfahren und seine Viren-Last gleichmäßig auf der Landkarte verteilen. Im Sommer, als die großen Lockerungsübungen angesagt waren, fanden es alle prima, dass Beschränkungen nur regional greifen sollten. Also nur für Regionen mit Ansteckungsraten über 50 pro 100.000 in einer Woche.

Da dachten wohl alle: Kann uns doch nicht passieren. Und die anderen sollen sich dann halt einschränken. Jetzt aber ist der Ernstfall da, und niemand darf sich wegducken. Der 50er Grenzwert war für uns alle der Freifahrtschein in einen Sommer der Lockerungen. Nun müssen wir auch die Kehrseite akzeptieren.

Contra Beherbergungsverbot

Von Alfred Schmit

Das Beherbergungsverbot ist Unsinn. Es bestraft zum Beispiel alle, die sich bislang richtig verhalten haben, aber nun ihre Herbst-Urlaube stornieren sollen. Wenn sie denn im Risikogebiet wohnen und irgendwo urlauben wollen, wo das Verbot gilt. Die medizinischen und rechtlichen Argumente dagegen sind stark: Bei der Ausbreitung des Virus spielen innerdeutsche Hotel-Übernachtungen bislang keine Rolle, sagen Experten. Und das leuchtet auch ein.

Die neuen Problemfelder sind doch offenbar private und öffentliche Feiern und generell Zusammenkünfte vieler Menschen in geschlossenen Räumen. Das Beherbergungsverbot kann da nichts bringen und wirkt wie der verzweifelte Versuch, die Leute am Reisen zu hindern. Doch das Reisen ist nicht das Problem, es sind menschliche Kontakte ohne Abstand und Hygiene. Juristisch wird es auch noch knifflig: Wie sollen Hoteliers einen Negativ-Test belegen außer wenn sie Kopien machen, und dann stellt sich die Frage: Dürfen sie das? Stichwort Datenschutz.

Ein Beherbergungsverbot ist auch grundgesetzlich heikel, weil die Verhältnismäßigkeit dafür gewahrt sein müsste. Da sind Zweifel angebracht. Kurz gesagt: Die Regel sollte gekippt werden. Sie schadet dem Hotelgewerbe, sie macht schlechte Stimmung unter den Menschen, sie ist rechtlich fragwürdig und medizinisch unnütz. Also besser schnell wieder weg damit.

Weitere Informationen

Die Kommentare spiegeln die Meinung der Autoren und nicht die der Redaktion wider.

Ende der weiteren Informationen

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 12.10.2020, 15-18 Uhr

Jetzt im Programm