Englische Fans feiern im Wembley-Stadion

Die Fußball-Europameisterschaft geht am Sonntag zu Ende. Die vollen Stadien in Russland und England waren für viele ein erster Schritt zurück Richtung Normalität. Andere befürchten, dass der laxe Umgang mit Abstand und Masken Folgen haben wird.

Die Fußball-Europameisterschaft geht am Sonntag mit dem Klassiker England gegen Italien zu Ende. Neben dem sportlichen Kräftemessen ging es bei dieser EM vor allem um die Diskussion, wie viel Fankultur in Zeiten von Corona möglich ist.

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Ein Banner mit der Aufschrift „UEFA Euro 2020“ hängt vor der Allianz Arena.
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Ein vollbesetztes Budapester Stadion, Fan-Zonen in Hochinzidenz-Städten wie St. Petersburg, jubelnde Menschen ohne Maske in Wembley: Hat der Fußball durch falsche Risikobewertungen und das Voranstellen von finanziellen Interessen Menschen in Gefahr gebracht? Oder war die EM ein Beispiel dafür, wie wir künftig mit Corona leben können?

Massenveranstaltungen als Verstärker

"Ich bin heute nicht hier, um irgendeinem Euro 2020-Fan den Spaß zu verderben, aber bevor wir unseren Spielern zuschauen, bewerten Sie die Risiken", warnte der Regionaldirektor der WHO in Europa, Hans Kluge, auf einem Pressebriefing letzte Woche.

Wenn am Sonntagabend 60.000 Fans das Finale England gegen Italien im Wembley-Stadion anschauen, dann werden sie einen negativen Corona-Test vorweisen müssen. Aber es wird bei einer Zwei-Drittel-Auslastung, wie schon bei den Halbfinalspielen, am Sitzplatz keine Maskenpflicht gelten. Die Zuschauer werden zwar gebeten, Abstand zu anderen Fans zu halten, wo immer es geht (am Bierstand, am Einlass), genau das funktioniert in der Praxis aber nicht.

"Was wir wissen ist, dass Massenveranstaltungen in einem Umfeld steigender Übertragungen als Verstärker wirken können", sagt die WHO-Expertin Catherine Smallwood. Aber: Die Zuschauer des Endspiels sind gleichzeitig Teil einer Studie der britischen Ministerien für Sport und Gesundheit.

Sind Abstand und Masken verzichtbar?

Das Event Research Programme soll herausfinden, ob solche Großveranstaltungen auch mit mehr als 50 Prozent an Zuschauern durchgeführt werden können und ob auch bewusste Lockerungen – ohne Abstand und ohne Masken – möglich sein werden.

Britische Wissenschaftler kritisierten schon bei anderen Veranstaltungen des Event Research Programmes, dass die geforderten Tests Corona-positive Besucher nicht zuverlässig genug herausgefiltert haben. Im Event Research Programme war sogar ein Besucher aufgefallen, der nach einem positiven Test mehrere weitere Tests anforderte, um ein negatives Ergebnis zu erhalten. "Es kommt zu Ansteckungsfällen", betont WHO-Expertin Smallwood, "vor allem wenn sich junge Ungeimpfte durchmischen".

Hunderte Schotten und Finnen infiziert

Smallwood verweist auf die außergewöhnlichen Analysen der schottischen Gesundheitsbehörde, die fast 2.000 Corona-Infektionen in Verbindung bringen konnte mit den Fußballspielen. Allein 397 von ihnen waren beim Spiel England gegen Schottland im Wembley-Stadion. Ob das Virus von schottischen Fans nach London getragen wurde oder auch von dort mitgebracht worden ist, ist allerdings unklar.

Auch von den 4.500 finnischen Fans, die zur Euro 2020 nach St. Petersburg gereist sind, wurden hunderte Menschen positiv getestet. Finnland und Schottland mussten intensiv Kontakte nachverfolgen, um eine weitere Verbreitung zu verhindern.

Zwei Schlaglichter, keine Bilanz. Denn: Wie die Auswirkung der EM auf das Pandemiegeschehen sein wird und ob Fan-Zonen und volle Stadien mit gelockerten Corona-Regeln tausende Fußballfans bei den Großveranstaltungen zu Verlierern gemacht haben, damit werden sich Wissenschaftler noch beschäftigen, wenn die Sieger der Europameisterschaft schon lange feststehen.

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