Schild mit "Bundesrepublik Deutschland" am Flughafen

Die Gefahr durch die mutierten Varianten des Coronavirus bereitet Experten und Politikern nach wie vor große Sorgen. Deswegen plant die Bundesregierung Reisebeschränkungen. Eine sinnvolle Maßnahme? Unsere Autoren sind geteilter Ansicht.

Pro Einreiseverbot

Von Isabel Reifenrath

Sie sind bereits da, die Mutationen. Sie haben bereits für Corona-Ausbrüche in Krankenhäusern und Kitas gesorgt. Ganz verhindern können wir die Verbreitung der britischen und südafrikanischen Mutante nicht mehr. Und auch Oppositionspolitiker haben recht, wenn sie sagen, wenn keine Flugzeuge mehr aus den betroffenen Ländern in Deutschland landen dürfen, fliegen die Menschen über Paris oder Zürich und fahren mit dem Auto nach Deutschland. Eine europäische Lösung wäre besser, keine Frage.

Aber es geht darum, das Einschleppen der Virusmutationen zumindest einzudämmen. Wenn die britische Variante so viel ansteckender ist, dann könnte sie die im Moment sinkenden Fallzahlen wieder zum Steigen bringen. Und das zu einer Zeit, in der wir ohnehin im Lockdown sind. Wir können die Schulen, Kitas und die Friseure nicht ewig geschlossen halten. Deshalb braucht es eine andere Maßnahme. Und ja: Wer aus einem Hochrisikogebiet kommt, muss bereits jetzt einen negativen Test nachweisen und sich in Quarantäne begeben. Aber: Die Verordnung gilt erst seit kurzem und es hat laut Medienberichten bereits über 250 Verstöße gegeben.

Die Kontrollen müssen erhöht werden. Das hat der Bundesinnenminister bereits angekündigt. Die Fluggesellschaften müssen konsequenter auf die Einhaltung achten. Richtig. Aber die Ausbreitung der Mutationen zu verhindern ist so wichtig, das rechtfertigt auch die Einreiseverbote. Das kann die Verbreitung der Mutationen verlangsamen. Allein mit der Verlangsamung hätten wir schon viel gewonnen – Leben und Hoffnung auf Lockerungen der Corona-Maßnahmen.

Contra Einreiseverbot

Von Björn Dake

Wieder mal fällt der Bundesregierung in der Pandemie nichts anderes ein als ein Verbot. Grenzen dicht, Problem gelöst. Wohl kaum. Zumal die Mutation längst in Deutschland angekommen ist. Ein Einreiseverbot macht Fernbeziehungen über Grenzen hinweg das Leben schwer, kappt Wirtschaftskontakte und schädigt die Idee einer globalen Gesellschaft.

Horst Seehofer hat ja recht: Der Staat muss seine Bürger schützen – vor einer hochansteckenden Virus-Variante. Aber das geht auch gezielter als mit einem pauschalen Stopp. Schon jetzt ist die Einreise aus vielen Ländern nur bei „zwingender Notwendigkeit“ möglich. Reisende aus einem Hochrisikogebiet müssen einen negativen Corona-Test vorlegen. Sonst dürfen sie gar nicht in den Flieger. Je nach Bundesland gilt nach Landung eine Quarantänepflicht. Warum dann also noch ein Einreiseverbot?

Ich vermute: Weil die bestehenden Regeln nicht konsequent kontrolliert werden. Von wem auch? Die Gesundheitsämter sind ohnehin am Limit. Und weil Personal und Tests fehlen, muss wieder ein Verbot für alle her. Ein Armutszeugnis. Dabei wäre es so einfach: Wer aus den sogenannten Mutationsgebieten Großbritannien, Portugal, Südafrika und Brasilien kommt, landet in der Regel auf einem Flughafen. Und da lässt sich ja wohl jede und jeder Einzelne kontrollieren und nochmal testen. Und dann muss man halt so lange dort warten, bis das negative Ergebnis des Schnelltests da ist.

Besonders traurig: Einmal mehr haben es die europäischen Regierungen verpasst, gemeinsam vorzugehen. Immerhin: Der Wille dazu war in Berlin da. Aber da hatten andere, wie die Niederlande, längst Nägel mit Köpfen gemacht.

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Sendung: hr-iNFO Aktuell, 29.01.2021, 12-15 Uhr

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