Eine Ukrainerin bekommt von ihrem Kind eine Blume gereicht.

Fast 400.000 Flüchtlinge aus der Ukraine sind offiziell in Deutschland. Vermutlich sind es noch mehr. Viele sind gut ausgebildet, zahlreiche Unternehmen suchen Beschäftigte. Allerdings ist es nicht so einfach, beide Seiten zusammenzubringen. 

Inga Krüger arbeitet seit 1. April in der Beratungsstelle der IG-Metall in Frankfurt, an die sich Geflüchtete aus der Ukraine wenden können, um sich hier in Hessen besser zu orientieren. "Die, die jetzt zu mir kommen, wollen erstmal Informationen haben: 'Wo soll ich mich anmelden? Wie kann ich Arbeit finden? Was brauche ich dafür?'", erzählt Krüger. In ihrer Heimat sind sie täglich arbeiten gegangen. Das wäre ihnen in Deutschland auch am liebsten. "Die erzählen auch: 'Ja, wir wollen nicht einfach umsonst sitzen und vom Staat leben, wir wollen etwas zurückgeben.'"

Hauptsache Beschäftigung

Die Mehrzahl der Menschen, die bei Inga Krüger Rat suchen, sind Frauen. In der Regel gut ausgebildet, viele Akademikerinnen. Sehr viele Ärzte, Krankenschwestern und Ingenieurinnen. Die meisten aber sprechen nur Ukrainischen und Russisch, ein paar Englisch. Sie müssen also erstmal Deutsch lernen, um überhaupt arbeiten zu können. 

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Ukrainische Geflüchtete auf Arbeitssuche

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Krüger schaut sich die Zeugnisse der Menschen an, sucht nach Qualifikationen und erstellt gemeinsam mit ihnen Lebensläufe. "Und erst dann schauen wir, als was sie arbeiten wollen", so Krüger. Die meisten Frauen seien genügsam. "Was ich von den Menschen höre, ist immer wieder: 'Ich muss nicht unbedingt als Arzt arbeiten, ich kann auch als Pflegekraft arbeiten. Hauptsache ich lerne Deutsch, Hauptsache ich habe Beschäftigung.'" Tatsächlich hat Krüger auch schon eine Krankenschwester in ein Krankenhaus vermitteln können, weil die schon ausreichend Deutschkenntnisse hat. 

Grundlagen müssen geschaffen werden

Auch Nadja Schmidt, Arbeitsvermittlerin bei Agentur für Arbeit in Frankfurt, berät Geflüchtete aus der Ukraine. "Nicht alle können direkt schon mit der aktiven Arbeitssuche starten, sondern wollen sich vielmehr über die Möglichkeiten informieren, um wahrscheinlich für die Zukunft planen zu können, wie sie sich ausrichten“, berichtet sie von ihren Erfahrungen. "Oft sind im Moment so Sachen wie Unterkunft, Kinderbetreuung und so weiter Im Fokus. Und der Spracherwerb."

Für die meisten steht ihrer Ansicht nach die Jobsuche noch nicht im Mittelpunkt. Aber auch Schmidt kennt vereinzelt Menschen aus der Ukraine, die schon Arbeit gefunden haben. Dabei ist die Bandbreite der Berufsgruppen insgesamt groß: vom Lehramt über den Einzelhandel bis zur Pflege. 

Betriebe signalisieren Interesse

Das Interesse an Mitarbeitern aus der Ukraine ist in den Unternehmen jedenfalls da, weiß Susanne Haus, Präsidentin der Frankfurter Handwerkskammer: "In erster Linie sind es ja Frauen und Kinder, die flüchten. Deswegen haben wir Anfragen, die eher in die klassischen weiblichen Handwerksberufe gehen, wie den Frisör, den Dienstleistungsbereich." Betrieb würden sich mit allgemeinen Fragen an die Handwerkskammer wenden. Sie wollen wissen, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, damit Geflüchtete bei ihnen anfangen können.

Die Mitarbeiter aus der Ukraine müssen in Deutschland gemeldet sein, sagt Haus. Dann aber kann im Prinzip jeder und jede grundsätzlich anfangen zu arbeiten. Allerdings muss im Einzelfall noch geklärt werden, ob der Abschluss aus der Ukraine hier in Deutschland auch anerkannt wird. 

Wille und Fleiß sind gefragt

In den Unternehmen spielt der Fachkräftemangel eine wichtige Rolle. Wer arbeiten will, hat schon einmal gute Karten: "Es ist noch nicht mal so entscheidend, dass das jetzt gleich eine hochqualifizierte Kraft sein muss, sondern wir brauchen einfach Leute, die einen Willen mitbringen und die Fleiß mitbringen und die sich integrieren wollen für diesen Zeitraum, in dem sie da sind oder auch länger. Das wird sich ja noch herausstellen, wie sich das alles entwickelt", so die Präsidentin der Handwerkskammer.

Auch viele der Geflüchteten aus der Ukraine wissen noch gar nicht, wie lange sie in Deutschland bleiben – vielleicht auch bleiben müssen. Immerhin: Ihre Chancen auf einen Job scheinen auf Dauer gar nicht schlecht. 

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