Kaffee läuft in einen Mehwegbecher
Werden sie oft benutzt, sind Mehrwegbecher besser für die Umwelt. Bild © picture-alliance/dpa

Wenn‘s morgens schnell gehen muss, gibt es den ersten Kaffee unterwegs – im praktischen To-Go-Becher. Weil so jede Menge Müll entsteht, will die Bundesregierung jetzt dagegen vorgehen. In Hessen gibt es bereits einige Projekte, die sich gegen den Wegwerfwahn richten.

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Professor Tom Philipps stellt im Fraunhofer Institut in Darmstadt das Projekt "Darmstädter Weg" vor – also Darmstadts Weg weg vom Einwegkaffeebecher hin zum Mehrweg-Kaffeebecher. "Wir haben einen riesen Verbrauch an Einwegbechern. Allein in Darmstadt sind das knapp 5,5 Millionen pro Jahr", so der Industriedesigner. "Das ist natürlich eine enorme Ressourcenbelastung und ein Abfallberg."

Um den in Zukunft zu vermeiden, forscht die Hochschule Darmstadt nun schon seit drei Jahren am perfekten wiederverwendbaren Becher für die Stadt. "Wir haben am Anfang überlegt, ob wir nicht einfach einen anderen Becher übernehmen können. Einfach hier ein neues Pfandsystem einführen", erzählt  Kleihauer von der Initiative Nachhaltige Entwicklung der Hochschule Darmstadt. Denn Pfandsysteme gibt es mittlerweile einige in Hessen.

40 Frankfurter Cafés waren sofort dabei

Das Startup-Unternehmen Cup2gether hat beispielsweise ein Mehrwegbecher-Pfandsystem für die Stadt Frankfurt entwickelt. Cafés bieten dabei nachhaltig produzierte, wiederverwendbare Becher an statt der üblichen Pappbecher. Kunden kaufen sich einmalig in das Pfandsystem ein und erhalten einen Becher, den sie beim nächsten Besuch dann wieder abgeben oder auffüllen lassen können. "Wir hatten sofort 40 Cafés, die gesagt haben, wir machen mit, und wir haben jetzt auch über 1.100 Nutzer", sagt Marlene Haas von Cup2gether.

Ähnlich funktioniert auch das Mehrwegsystem namens "Subcup" in Kassel. Oder in Marburg der "Marburger Klimaschutzbecher". Die Becher dazu kommen häufig von der Firma "nowaste". Die sitzt ebenfalls in Hessen, in Hanau. Die Becher sind also regional, biologisch abbaubar und aus natürlichen Rohstoffen.

Zentrale Spülstelle in Darmstadt

In Hessen gibt es zudem seit 2016 den sogenannten Becherbonus. Wer also den eigenen Becher befüllen lässt, zahlt bis zu 30 Cent weniger. Das wird aber eher schleppend angenommen, berichtet die Filialleiterin einer Bäckerei in Wiesbaden: "Stammkunden: ja, Neu- und Spontankunden: eher nein."

Darmstadt will das alles besser machen. Die Hochschule plant unter anderem, alle gebrauchten Becher zentral spülen zu lassen, statt von jedem Nutzer zu Hause oder jedem Café. "Dadurch können wir sehr viel Energie einsparen, die die ökobilanzielle Betrachtung dann wieder rechtfertigen und gut dastehen lassen", ist Tom Philipps überzeugt. Ende des Jahres soll das ausgeklügelte Mehrweg-Kaffeebecher-System für Darmstadt an den Start gehen.

Sendung: hr-iNFO, 21.05.2019, 15 Uhr

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