Hurrikan Katrina
Bild © picture-alliance/dpa

Klimakatastrophen sind meist verheerend für die Betroffenen. Doch Klimaphänomene nehmen zu. Eine Branche wittert jedoch neue Chancen.

Umgerissene Strommasten. Hinweg gespülte Hausfassaden. Menschen, die auf ihren Häuserdächern um Hilfe schreien. Gleich drei große Hurrikane trafen die amerikanische Küste im vergangenen Jahr. Hunderte Tote, noch mehr Verletzte, aber eben auch mehr als 330 Milliarden Dollar Schaden. In einer umfunktionierten Sporthalle steht William, er hat alles verloren. "Wir hatten nicht viel Zeit, die Sachen zu packen. Der Rest ist einfach fort. Zum Beispiel meine Familienfotos. Einfach weg", sagt William.

"Einen Vorgeschmack auf die Zukunft" könnten die drei Hurrikane geben, sagte ein Vorstand des Rückversicherers Munich Re Anfang des Jahres. Denn Stürme, extreme Temperaturen, Fluten und Dürren: In den vergangenen 30 Jahren ist die Zahl der Naturkatastrophen weltweit deutlich angestiegen. Ob das allerdings ursächlich auf den Klimawandel zurückzuführen ist, das ist selbst unter Wissenschaftlern noch umstritten, sagt Versicherungsexperte Thomas Seidl von Analysehaus Bernstein Research in London.

Der Anstieg sei nahezu ausschließlich durch Fluten getrieben. Man könne sich darüber streiten, ob das durch den Klimawandel komme oder eben durch die stärkere Konzentration von Städten, von Eingriffen in Flüsse, zum Beispiel dem Dammbau und anderem. "Eine unmittelbare Verknüpfung von Klimawandel zu dieser steigenden Zahl von Naturgefahren ist jetzt schwer nachzuweisen und ist auch nicht Stand der Wissenschaft", sagt Seidl.

Ernteausfallversicherungen können ein Thema werden

Und weil viele Versicherungen etwa auf fünf Jahre planen, spielt der Klimawandel für die kurzfristige Geschäftsplanung sowieso kaum eine Rolle. Langfristig aber, daran zweifeln wenige, dürfte der Klimawandel seine Spuren hinterlassen: Vor allem Hitze dürfte es künftig häufiger geben. Doch höhere Klimaschäden bringen Versicherer nicht per se ins Wanken. Im Gegenteil – für sie könnten extreme Klimaereignisse auch eine Chance sein, sagt Versicherungsanalyst Philipp Häßler von der Equinet-Bank.

"Die Dürre in Deutschland, die Bauern stöhnen über Ernteausfälle. Momentan ist wohl Ernteausfallversicherung noch kein großes Thema in Deutschland", sagt Häßler. Das könne sich natürlich auch ändern, wenn sich jetzt die heißen Sommer häufen. "Dass dann der ein oder andere Bauer dann auch sagt: 'Gut, dann kaufe ich mir halt so eine Versicherung'", sagt Häßler.

Und die Rückversicherer können immer noch die Preise erhöhen. Gerade 2005 nach dem Hurrikan Katrina zum Beispiel hat die Branche zumindest in der betroffenen Region die Versicherungsprämien ordentlich hochgeschraubt. Und für den Fall, dass sie extreme Risiken nicht mit eigenem Geld absichern wollen, können sich Versicherungen auch zusätzliches Geld bei Profiinvestoren besorgen. Zum Beispiel mit sogenannten Katastrophenanleihen, sagt Versicherungsanalyst Philipp Häßler.

Klimaphänomene als Geschäft

Das sei, simpel gesagt, wie eine Art Anleihe, die man zu einem vorher definierten Zins bekomme, der relativ hoch sei. Das könnten dann sechs bis sieben Prozent sein. "Wenn halt vordefinierte Schäden auftreten, dann fällt erst mal der Zins aus und eventuell kann dann auch die Rückzahlung des Bonds dann nicht zu 100 Prozent kommen", sagt Häßler.

Es ist also eine Art Wette. Das Versicherungsunternehmen wettet, dass der Schaden eintritt und kann dann Geld vom Käufer der Anleihen behalten. Der Käufer der Anleihen hingegen wettet, dass alles schon gut geht – und er von der Versicherung eine stattliche Rendite bekommt. Das zeigt: Katastrophen und Klimaphänomene sind – für die Versicherer – eben immer auch ein Geschäft.

Sendung: hr-iNFO, 08.08.2018, 16:40 Uhr

Jetzt im Programm