Papst Franziskus
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Papst Franziskus hat erstmals sexuelle Gewalt gegen Nonnen eingeräumt. Vor sechs Jahren ist er angetreten mit der Haltung "null Toleranz" beim Thema Missbrauch. Hat er sich daran gehalten?

Null Toleranz beim Thema Missbrauch von Kindern: Mit dieser Haltung ist Papst Franziskus vor bald sechs Jahren angetreten. Immer neue Skandale in der katholischen Kirche waren bekanntgeworden. In den USA, in Deutschland, Irland, Belgien. Das sei so, als ob ein Priester schwarze Messen feiere, sagt der Papst. Ein Priester, der das tue, verrate den Leib des Herren, weil dieser Priester das Kind zur Heiligkeit führen soll.  

Der Papst lässt eine Kommission zum Schutz von Kindern vor Missbrauch gründen. Noch bevor sie ihre Arbeit aufnimmt, sorgt der Fall eines polnischen Erzbischofs für Aufsehen. Der war zuletzt vatikanischer Botschafter in der Dominikanischen Republik und soll dort Jungen missbraucht haben. Der Papst persönlich lässt ihn festnehmen und im Vatikan unter Hausarrest stellen.

"Er ist in den Laienstand zurückversetzt worden, was die schwerste Strafe ist, die einem Kleriker passieren kann – noch dazu einem Vatikan-Diplomaten, der in diesem Land sieben Jungen missbraucht hat“, sagt Jesuitenpater Hans Zollner, Mitglied der Missbrauchskommission. Strafrechtlich verurteilt wird Wesolowski später jedoch nicht – er stirbt noch während des Prozesses.

Papst trifft Opfer

Immer wieder trifft der Papst Missbrauchsopfer, empfängt sie zum Beispiel bei sich in Rom. "Ihre Anwesenheit hier ist Ausdruck des Wunders der Hoffnung, die das größte Dunkel überwindet. Ohne Zweifel ist das ein Zeichen für die Barmherzigkeit Gottes, dass wir heute die Gelegenheit haben, uns zu begegnen und Gott zu preisen, uns in die Augen zu schauen und die Gnade der Versöhnung zu suchen", so Papst Franziskus.

Auch auf vielen seiner Auslandsreisen spricht der Papst das Thema immer wieder an. In New York redet er von einer "Schande, die von vielen Mitbrüdern verursacht worden sei.“ Nicht immer trifft Franziskus dabei jedoch den richtigen Ton. So machen sich auf Empfehlung der Missbrauchs-Kommission Bischöfe inzwischen mit strafbar, wenn sie helfen, Missbrauch zu vertuschen. Einem chilenischen Bischof unter genau diesem Verdacht springt der Papst allerdings persönlich bei: "Ich werde dazu etwas sagen, wenn es Beweise gibt. Es gibt keinen einzigen Beweis, das ist alles Verleumdung, ist das klar?"

Opfer-Vertreter: Papst muss das Thema entschiedener angehen

Später entschuldigt er sich für die Wortwahl, Monate später nimmt er den Rücktritt des Bischofs an. Trotzdem: Der Papst müsste das Thema Missbrauch in der Kirche entschiedener angehen, kritisieren Opfer wie die Irin Marie Collins: „Es könnten mehr konkrete Dinge getan werden. Von mir aus müsste jeder Priester, der missbraucht, sofort aus der Kirche ausgeschlossen werden. Jeder Bischof oder Kirchenobere, der diese Männer schützt, müsste seinen Titel, seine Position verlieren und müsste falls notwendig ebenfalls ausgeschlossen werden“, sagt Collins.

Es könne sein, dass Papst Franziskus Dinge tue, die Päpste vor ihm nicht getan hätten – er ziehe einige aus dem Verkehr, indem er sie zum Rücktritt bringe und es gebe mehr Rücktritte. „Aber sie können immer noch ihr Gesicht wahren ohne Ermittlungen gegen sie – und das muss aufhören“, so Collins.  Marie Collins ist deshalb inzwischen aus der päpstlichen Missbrauchskommission zurückgetreten. Sie war dort die letzte Opfervertreterin.

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Sendung: hr-iNFO, 6.2.2019, 16:10 Uhr

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