Ein Priester hält einen Rosenkranz und eine bischöfliche Erklärung zu den Missbrauchsfällen durch Jesuiten-Pater in der Hand
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Während der Papst im Vatikan zur Missbrauchs-Konferenz einlädt, wird an der Basis an konkreten Maßnahmen gearbeitet, um sexuellem Missbrauch besser vorzubeugen. Auch in Hessen.

Sieben Ehrenamtliche und Mitarbeiter der Pfarrei St. Franziskus und Klara im Hochtaunuskreis sitzen um einen großen Holztisch, in der Mitte liegen Poster, große Wimmelbilder, auf denen Kinder und Jugendliche spielen, herumrennen, interagieren. Es ist das erste Treffen der sogenannten AG Prävention Schutzkonzept. Die ist auf Betreiben des Bistums Limburg entstanden. Alle katholischen Pfarrgemeinden wurden angewiesen, für sich ein Präventionskonzept zu erarbeiten.

Andreas Korten ist Pastoralreferent der Pfarrgemeinde im Usinger Land. Er hat die Poster ausgebreitet, Fragebögen verteilt, will die Diskussion in Gang bringen. Auf den Bildern geht es um Beziehungen und Trost, um Umarmungen oder darum, ob Toiletten und Duschen einsehbar sind. Aber auch um ganz konkrete, mögliche Situationen: Auf einer Kinderfreizeit etwa legt sich eine Gruppenleiterin kurz mit ins Bett, weil das Kind Heimweh hat und Trost braucht.

Beispiele aus der Praxis

"Ich würde mich noch nicht mal auf dieses Bett setzen. Wenn das Kind mich dazu einlädt eventuell, aber selbst das wäre für mich schon eine Grenzüberschreitung", sagt Hannah Schäfer, ebenfalls Pastoralreferentin. Pfarrer Paul Lawatsch diskutiert auch mit: "Ich erinnere mich an einige Situationen, da habe ich mich dann auch dazu gesetzt, hätte das aber unter den heutigen Bedingungen sehr kritisch gesehen, weil ich sage: Was passiert denn da, wie sieht denn das Kind das?" Schnell wird sich die Gruppe einig: Wenn kein anderer mit im Raum ist, geht’s nicht. Nur wenn mehrere mit im Raum sind, könne man darüber reden.

Über eine Stunde lange besprechen die Teilnehmer der Runde Situationen, wägen ab, diskutieren, erinnern sich dabei an früher: "Wenn ich jetzt zu meinen Eltern gekommen wäre und hätte gesagt, der Pfarrer ist mir zu nah gekommen, dann hätte ich von meinen Eltern eine gefangen. Das war ein Ding der Unmöglichkeit", sagt Matthias Röder, ein Ehrenamtlicher in der Pfarrei. Und so arbeitet sich die AG Prävention Schutzkonzept durch viele praktische Beispiele und sensibilisiert sich selbst, um das weiterzugeben an die anderen Mitglieder und Gruppen der Pfarrei.

"Alles, was selbst entsteht, wirkt anders nach"

Aus der Pfarrgemeinde war in den vergangenen Monaten Kritik zu hören: Warum das Bistum Limburg denn nicht selbst die Verantwortung für die Fehler übernehme und selbst ein Schutzkonzept entwickele, das die Gemeinden dann einfach umsetzen? Und stattdessen die Arbeit jetzt ablädt auf die einzelnen Gemeinden und ihre Mitglieder? Ja, das sei anstrengend, meint Pfarrer Paul Lawatsch, aber auch nötig.

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Missbrauchs-Konferenz im Vatikan

Von Donnerstag bis Sonntag findet eine Kinderschutz-Konferenz im Vatikan statt, zu der die Vorsitzenden der Bischofskonferenzen aller Länder geladen sind. Das Treffen soll die katholische Kirche nach diversen Missbrauchsskandalen in mehreren Ländern aus der Krise führen.

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So sieht das auch Ann Cathrin Knappich, die Jugendsprecherin der Pfarrei. "Wenn es ein Jugendschutzkonzept geben würde, würde ich mir das vielleicht durchlesen, weil ich es unterschreiben muss. Aber so sitze ich jetzt hier und mache mir meine Gedanken darüber. Ich glaube, das ist eigentlich der ganze Sinn dahinter, warum das Bistum Limburg und alle anderen auch sagen: jede Gemeinde für sich."

Alles, was selbst entsehe, habe einen anderen Tiefgang und wirke anders nach, sagt Pastoralreferent Andreas Korten. Für ihn und die anderen in der Runde ist klar: Nur, wenn jeder Verantwortliche sich konkret mit den Risiken auseinandersetzt, die Folgen seines Handelns kennt, und erst wenn jedes Teammitglied und auch jedes Kind weiß, dass das früher Unausprechliche heute gesagt werden kann, erst dann ist ein wichtiger Schritt getan.

Sendung: hr-iNFO, 21.2.2019, 6:10 Uhr

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