Eine Roboter-Hand und die Hand eines Menschen greifen ineinander

Künstliche Intelligenz (KI) - das beinhaltet Computer, die lernen können, Muster zu erkennen. Das macht sie zu hervorragenden Büroangestellten - und bringt massive Umwälzungen der Arbeitswelt mit sich.

"Juristen überall auf der Welt arbeiten schlauer. Anstatt unzählige Stunden damit zu verbringen, Vertragstexte zu analysieren, nutzen sie künstliche Intelligenz, um sie innerhalb von Minuten zu analysieren." Was diese Aussage verspricht, ist eine Ungeheuerlichkeit: Eine künstliche Intelligenz durchsucht das Kleingedruckte von Verträgen nach juristischen Fallen. Eine Maschine erledigt die Arbeit von Anwälten - Angehörigen eines Berufszweigs also, die sich bislang immer auf der Gewinnerseite der Automatisierung wähnten.

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Zum Artikel Das Thema als Podcast: Crashkurs KI - Wenn Maschinen uns immer ähnlicher werden

Künstliche Intelligenz
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Die KI-Revolution ist nicht auf den englischen Sprachraum beschränkt. Einer, der sie hierzulande vorantreibt, ist der Informatiker Chris Boos, Mitglied im Digitalrat der Bundesregierung und Chef der Frankfurter KI-Firma Arago. "Wir automatisieren absolut alles", sagt er, "so einfach kann man das sagen".

Lernen durch Zuschauen

Seine Firma entwickelt eine sogenannte horizontale KI - eine Maschine, die lernen kann, alle möglichen Probleme zu lösen. Als kleine Demonstration hat Boos ihr vor einigen Jahren das Computerspiel 'Civilization' beigebracht. Wie man es gewinnt, lernte sie, indem sie menschliche Spieler beobachtete. Genauso kann sie lernen, was beispielsweise ein Sachbearbeiter tut - und Routinetätigkeiten übernehmen. "Wenn man das jetzt drastisch formulieren möchte, endet mit KI ja das Industriezeitalter", so Boos. "Weg von konsolidieren, hin zu Maschinen finden Lösungen für individuelle Aufgaben."

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Zum Artikel Crashkurs KI: Künstliche Intelligenz – In einer nahen Zukunft... (Teil 1)

Selbstlernende Computerprogramme - ein Sicherheitsrisiko?
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Aber was sollen die Menschen machen, die diese individuellen Aufgaben zuvor beruflich gemacht haben? Vor einigen Jahren sagte eine Studie: Gut die Hälfte aller US-Arbeitsplätze könnte wegautomatisiert werden. Sie wurde scharf kritisiert: Kaffeesatzleserei. Eine andere Studie sagt mehr Wohlstand voraus: 1,6 Prozent zusätzliches Wirtschaftswachstum bis 2035. Die Optimisten sagen: Noch jede technische Revolution hat am Ende neue Jobs geschaffen. Die Pessimisten sagen: KI geht tiefer. Und die Realisten sagen: Die Generation des Übergangs hat es in jedem Fall schwer.

Wettbewerbsvorteil 'fair KI'

Die Frau, deren Job es ist, für Hessen eine Strategie zu entwickeln, Hessens Digitalministerin Kristina Sinemus, positioniert sich so: "Die Herausforderung ist nicht, dass wir weniger Jobs haben, sondern wie wir die neuen Aufgaben, die neue Jobs bedeuten, ausgestalten, und wie wir diese neuen Jobs dann hierher bekommen". Hierher - und nicht nach China oder in die USA. Tatsächlich liegt darin eine Chance, findet nicht nur der Informatiker Chris Boos: "Wir sind ja wirklich im Systemkampf". Beim chinesischen System gehe es um gesellschaftliche Kohärenz, beim amerikanischen gehe es um Profitmaximierung. "Wir könnten ja den Weg dazwischen besetzen", sagt Boos.

Wettbewerbsvorteil 'faire KI' - Künstliche Intelligenz, die Datenschutz und Privatsphäre ebenso achtet wie die Menschenwürde, die transparent arbeitet, aufgrund klarer ethischer Vorgaben. Denn die stammen – wie alle Politik – noch immer von uns Menschen.

Sendung: hr-iNFO, 18.10.19, 6-9 Uhr

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