Kita-Kinder frühstücken gemeinsam.

"Corona ist blöd": Das ist schon den Kleinsten in den Kitas klar. Auch wenn sich Kinder in diesem Alter gut auf Neues einstellen können, hat die Pandemie auch Auswirkungen auf sie - emotional, psychomotorisch und sprachlich.

Selbst die Kleinen im Kindergarten haben schon eine ziemlich genaue Vorstellung, was Corona bedeutet. Ein Kind erklärt es so: "Das ist nichts Gutes und da kann man krank von werden." Und sie spüren die Auswirkungen für sich persönlich, so wie der fünfjährige Dominik. In seiner Kita wurden, wie fast überall, die Gruppen getrennt, Geschwister zusammengelegt: "Ich musste in die grüne Gruppe und die Grünen in die Gelbe. Doof war, ich musste in die Grüne." Von seinem Freund ist er deshalb seit Monaten getrennt.

Kein gemeinsames Singen, Spielen und Verabschieden

Julia ist sieben Jahre alt und geht in die erste Klasse. Sie erinnert sich noch gut daran, wie Corona anfing – in ihrem letzten Kindergarten-Jahr: "Da konnten wir zuerst nur noch eins, zwei Wochen in den Kindergarten, aber die Erzieherinnen mussten schon Maske tragen. Und dann konnten wir gar nicht mehr in den Kindergarten. Das war blöd."

Auch was den Übergang vom Kindergarten in die Schule normalerweise so schön macht, hat Julia verpasst: das gemeinsame Sommerfest. "Da macht jeder etwas Leckeres und es gibt 1000 Spiele auf dem ganzen Hof." Gemeinsam singen, spielen, sich verabschieden, das hätte sie gerne erlebt. "Und das ging nicht."

Entwicklung beeinträchtigt

Die Corona-Sorgen der Kleinsten kennt Doris Blatz gut. Sie leitet die Kita Kunterbunt in Frankfurt, eine kleine familiäre Einrichtung mit nur zwei Gruppen. Auch sie wurden strikt getrennt betreut, Freunde durften nicht hin- und herspringen. Aber das ist nur eines der vielen Dinge, worauf die Kinder in der Corona-Krise verzichten müssen: "Die Qualität hat sehr gelitten. Wir merken das auch in der Spracherziehung. Das spielt eine ganz große Rolle mit gemeinsam Musik machen, gemeinsam Fingerspiele, das fällt weg. Wir haben zum Beispiel Singverbot, durften keine Sprechübungen mit den Kindern machen." Auch die Musikschule, die vor Corona einmal die Woche stattfand, musste ausfallen.

Auch psychomotorisch sei Vieles verloren gegangen. Die Entwicklung der Kinder habe zum Teil stagniert, vor allem bei den Kindern, die lange Zeit zu Hause waren, berichtet die Kita-Leiterin: "Da merken wir schon, dass also Kinder zum Teil aus diesem Lockdown wiederkamen und wir gedacht haben: 'Mensch, wenn du hier gewesen wärst, wäre es für dich bestimmt sprachlich besser gelaufen.' Gerade mehrsprachige Kinder."

"Corona ist blöd"

Und die Kinder, die im Sommer in die Schule kommen, hatten monatelang keine Vorschule – keine gemeinsamen gruppenübergreifenden Aktionen wie Kochen, Basteln, Ausflüge machen. Ein großer Verlust, erzählt Doris Blatz: "Es ist dieses Miteinander, dieses Selbstvertrauen, dass die Kinder sagen: 'Ich bin ein Vorschulkind.' Damit einher geht ein unglaublich hohes Sellbstwertgefühl. Dieses Wissen, jetzt bin ich groß, jetzt komme ich in die Schule, ist leider auch weggefallen."

Doch grundsätzlich seien die ganz Kleinen noch flexibel, stellten sich gut auf neue Situationen ein, manchmal besser als größere Kinder oder Erwachsene. Auch Mutter Julia aus Frankfurt ist froh, dass ihre dreijährige Tochter noch in den Kindergarten geht: "Wir haben immer gesagt, dass es gut ist, dass unsere Tochter noch so jung ist und davon noch nicht so betroffen ist wie ältere Kinder." Sie hatten Glück, ihre Tochter konnte durchgängig in die Kita, sie mussten ihr nicht so viel dazu erklären. Außer, warum ihre beste Freundin zu Hause bleiben musste und sie nicht.

Und die Kinder selbst? Die haben vor allem eine Meinung zu Corona. Ein Kind bringt es auf den Punkt: "Das ist blöd."

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 09.06.2021, 6 bis 9 Uhr

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