Fleisch

Das Bedürfnis nach möglichst viel Fleisch zu möglichst niedrigem Preis lässt sich ohne Massentierhaltung kaum befriedigen. Und dabei geht's nicht immer vorbildlich zu, wie etwa der Fall Wilke-Wurst zeigt. Über die Folgen unseres Fleischkonsums - und wie es anders ginge.

Gammelwurst und Schimmelschinken haben die Verbraucherorganisation Foodwatch auf den Plan gerufen - und sie macht der hessischen Politik Dampf: Wir Verbraucher brauchen Sicherheit, und wir wollen genau wissen, wie in Wurstfabriken à la Wilke die Hygiene kontrolliert wird, sagt Darius Amadi, der Sprecher von Foodwatch.

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Zum Artikel Nach dem Wilke Skandal: Fleischkonsum und seine Folgen

Aufnahmen aus der Firma Wilke, die Schimmel und Dreck bei der Wurstproduktion zeigen
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"Wir brauchen neben mehr Transparenz auch mehr Kontrollen. Das ist ein Problem, das wir seit Jahren haben", so Amadi. Es gebe unterbesetzte Ämter und "auch einfach die Entscheidungen von einigen Landkreisen, zu wenig zu kontrollieren - beispielsweise auch der betroffene Landkreis Waldeck-Frankenberg, der für Wilke zuständig war. Der hat 2018 nach unseren Recherchen nur halb so viele Kontrollen durchgeführt wie er hätte durchführen müssen."

"Die Hälfte wäre schon viel besser"

Während das Land sich mal wieder angesichts des aktuellen Skandals die Frage stellt: 'Wie konnte das passieren?' gehen draußen auf der Straße die Demonstration der "Fridays for Future"-Kids weiter. Fleischkonsum steht an zweiter Stelle der Klima-Vernichter nach dem Verkehr, sagen sie ebenso wie viele Umweltorganisationen.

60 Kilogramm Fleisch isst jeder von uns im Jahr im Durchschnitt. Die Hälfte wäre schon viel besser, fordert WWF-Sprecherin Tanja Dräger: "Wir haben dazu Szenarien errechnet: Was würde eigentlich passieren, wenn man sich tatsächlich nach den Empfehlungen der Ernährungswissenschaftler richten würde, die ja besagen, man soll 50 Prozent weniger Fleisch konsumieren aus gesundheitlichen Gründen?" Das Ergebnis: Hochgerechnet auf ganz Deutschland könnten 27 Millionen Tonnen CO2 eingespart werden, so Dräger.

Ein Kilo Schnitzel für 22,50 Euro

In krassem Gegensatz dazu stehen die Fleischliebhaber: Viele von uns essen täglich, vielleicht sogar drei Mal am Tag Fleisch. Ganz besonders zelebriert wird das Fleisch-Essen in sogenannten Schnitzelrestaurants. Ein solches Beispiel ist das Waldgeist in Hofheim am Taunus. Hier gibt es Schnitzel in XXL: 1.000 Gramm für 22,50 Euro. Da komme in einem guten Sommermonat schon mal eine Tonne Fleisch in der Woche zusammen, sagt Restaurantleiter Florian Orth.

Dazu braucht man übrigens 300 Schweine - und das jede Woche. Die kommen dann meist aus Massentierhaltung, denn sonst ließe sich der günstige Preis gar nicht halten. Massenbetriebe produzieren nicht nur Unmengen Fleisch, sondern auch Nitrat und Stickstoff, die den Boden belasten. Das kritisiert die Bürgerinitiative Chattengau, die sich gegen die Tierfabrik Plukon in Gudensberg in Hessen wehrt.

Einschränkung über den Preis?

37 Millionen Hähnchen werden da im Jahr verarbeitet. "Ein Masthähnchen produziert so viele Umweltschäden, dass es im Grunde 20 Euro kosten müsste und nicht drei oder vier Euro, wie es im Augenblick angeboten wird im Supermarkt", sagt der Sprecher der Bürgerinitiative Andreas Grede. "Man kann bei Fleisch anders als bei anderen Konsumgütern sagen: Hoher Preis ist hohe Qualität, niedriger Preis ist schlechte Qualität."

Weniger ist also mehr: Wertschätzen von wenig, aber artgerecht produziertem Fleisch - das wäre der Weg. Die Massenproduktion also einschränken über den Preis? Wo weniger Abnehmer, da weniger Produktion? Das zumindest ist die Idee von WWF und vielen anderen Umweltverbänden.

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 11.10.2019, 15 bis 18 Uhr

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