Ein Auto steht unter Wasser: Überschwemmung nach Starkregen in Hagen (dpa)

Um besser mit extremen Wetterphänomenen wie Starkregen, Überflutungen und Dürre zurechtzukommen, müssen wir uns ans Klima anpassen. Wie solche Klimaanpassungen konkret aussehen können und warum sie neben dem Klimaschutz immer wichtiger werden: ein Überblick.

"Klimaanpassung bedeutet, dass wir dafür sorgen, dass der Klimawandel für uns Menschen und die Umwelt möglichst wenige schädliche Folgen haben." So erklärt es Marion Hemfler, Leiterin des Fachzentrums Klimawandel und Anpassung beim Hessischen Umweltamt. Beispiel Starkregen: Bei Hochwasserkatastrophen wie in der Eifel sei es gut, wenn eine Kommune die Chance habe, sich darauf vorzubereiten, sagt Hemfler, "also wo läuft das Wasser lang, wo müssen wir Schutzmaßnahmen ergreifen, wie können wir dafür sorgen, dass bei uns möglichst wenig passiert, wenn es mal so stark regnet".

Wichtig und nötig

Dass Klimaanpassung wichtig und vor allem nötig ist, diese Erkenntnis hat sich erst in den letzten Jahren so richtig durchgesetzt. Lange haben gerade auch Klimaschutzorganisationen und Umweltbehörden das Thema eher wie die nervige kleine Schwester des vermeintlich viel wichtigeren Bereichs Klimaschutz betrachtet. "Früher hat man oft gehört: Wir betreiben Klimaschutz, das brauchen wir doch alles nicht. Und wir geben sozusagen den Klimaschutz auf, wenn wir uns anpassen", sagt Hemfler.

Grafik: Anzahl heißer Tage in den zurückliegenden Jahrzehnten

Die Angst war, überspitzt gesagt, dass der Bürgermeister einer Stadt im Namen der Klimaanpassung entscheidet, lieber das Rathaus zum Schutz vor der Hitze von oben bis unten mit Klimaanlagen vollzupflastern, statt sich mit Klimaschutz zu befassen. Dabei haben viele kluge Klimaanpassungs-Maßnahmen zugleich auch einen Klimaschutz-Effekt. Ein neues Rathaus so zu bauen, dass es im Sommer die Hitze draußen hält und im Winter die Heizenergie drinnen – das ist Klimaanpassung und Klimaschutz in einem.

"Deutschland muss sich in jedem Fall anpassen"


Das Umweltbundesamt hat kürzlich in einer Studie zusammengetragen, welche Herausforderungen in Sachen Klimaanpassung auf Deutschland zukommen – und zwar egal, ob das mit dem Klimaschutz jetzt gut oder eher schlecht funktioniert. Man habe sich zwei Szenarien angeschaut, sagt Dirk Messner, Leiter des Umweltbundesamts: Ein Drei-Grad-Szenario mit schlechtem Klimaschutz und ein Zwei-Grad-Szenario, bei dem erfolgreich Klimaschutz betrieben wurde. Die Erkenntnis: Deutschland werde sich in jedem Fall anpassen müssen, denn "auch zwei Grad globale Erwärmung erzeugt Veränderungen, mit denen wir lernen müssen umzugehen", so Messner.

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An den Küsten drohen vermehrt Hochwasser, in den Alpenregionen schmelzen die Gletscher, und überall dürfte Trockenheit den Menschen und der Landwirtschaft zu schaffen machen. Und eben auch: Starkregen. Das hessische Fachzentrum Klimawandel fasste vor einigen Jahren den Plan, eine so genannte Starkregenhinweiskarte für Hessen zu entwickeln. Geplant war eine Ampelkennzeichnung: rot für besonders gefährdete Regionen, gelb für gefährdete und grün für nicht gefährdete. Heraus kamen aber keine Ampelfarben, erklärt Marion Hemfler, sondern eher ein rot-gelb marmorierter Streuselkuchen. Die Farbe grün kam gar nicht vor.

Keine Kommune in Hessen kann sich zurücklehnen

Es gebe in Hessen keinen Bereich, in dem sich eine Kommune zurücklehnen und sagen könne, sie sei nicht davon betroffen, sagt Hemfler. "Weil es hier nicht um Flusshochwässer geht, die von großen Flüssen ausgehen und langsam aufsteigen, sondern es geht um lokale Ereignisse aufgrund der Niederschläge, und das kann fast überall in Hessen gleich die Kommunen treffen."

Seit Anfang des Jahres bietet das Landesamt den Kommunen einen neuen Service an: Für wenige hundert Euro können sie sich eine so genannte Fließpfadkarte für ihr Gebiet anfertigen lassen, auf der man ablesen kann, wo das Wasser bei Starkregen vor allem abfließt und welche Bereiche gefährdet sind. In den ersten Monaten war die Nachfrage bei den über 400 hessischen Kommunen mäßig. Dann kamen die Hochwasser in der Eifel und im Ahrtal – und die Anträge explodierten von vorher 40 auf nun rund 180. Das Umweltamt hat jetzt extra einen neuen Mitarbeiter eingestellt, um die Anfragen abzuarbeiten. Und auch die eine oder andere Kommune hat eine neue Stellen-Ausschreibungen draußen: Klimaanpassungsmanager gesucht.

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Extremwetterkongress in Hamburg

Vom 22. bis 24. September findet in Hamburg der Extremwetterkongress 2021 statt.
Klimaforscherinnen und Meteorologen debattieren dabei u.a. darüber, welche Folgen der Klimawandelt auf das Wetter hat und wie wir uns auf das häufiger werdende Extremwetter einstellen sollten. Hier können Sie den Kongress live verfolgen.

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