Großparkplatz für Elektroautos in Oslo, Norwegen
In Norwegen gibt's den Strom für E-Autos umsonst. Bild © picture-alliance/dpa

Die Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad ist laut Weltklimarat nur möglich, wenn der CO2-Ausstoß sofort entschieden gesenkt wird. Einige Länder auf der Welt beherzigen das bereits.

Aktiv für weniger CO2 – das beherzigen die großen Schwellenländer China und Indien. Allerdings sind sie dennoch keine Klimaschutz-Vorreiter, wie sich in den vergangenen Jahren vor allem China oftmals den Anschein gab: Das Land will zwar bis 2025 seine Treibhausgasemissionen  um 28 Prozent verringern und hat in den letzten Jahren zahlreiche Wind- und Solarparks ans Netz gehen lassen. Doch Strom aus Kohle ist in China ein wesentlicher Energieträger. Laut Greenpeace sind mehr als 1.300 Kohlkraftwerke in Betrieb – Tendenz steigend. Auch Indien setzt vorrangig auf Strom aus Kohle, fördert aber gleichzeitig die Stromversorgung durch erneuerbare Energien und versucht damit, seinen CO2-Ausstoß zumindest langsamer anwachsen zu lassen.

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Auch das nordafrikanische Marokko treibt den Ausbau von erneuerbaren Energien voran. Mitten in den Wüstensand hat es das größte Solarthermie-Kraftwerk der Welt gesetzt – fast eine halbe Million Parabol-Spiegel versorgen derzeit etwa 600.000 Menschen mit Strom: "Bis 2030 sollen 52 Prozent des Stroms in Marokko mit erneuerbaren Energien produziert werden", sagt Youssef Stitou. Er ist Ingenieur der marokkanischen Agentur für Erneuerbare Energien und hat das Solar-Kraftwerk mit gebaut. Der von ihm skizzierte Plan ist Teil der Energiewende, die Marokkos König, Mohammed der 6., vor fast einem Jahrzehnt angestoßen hat. Sonne, Wind und Wasser sollen die Energiequellen des Landes werden. Und das Solarkraftwerk nahe Ouarzazate im Südosten Marokkos spielt dabei eine erhebliche Rolle: Nach dem Ausbau soll es ab nächstem Jahr etwa 1,3 Millionen Marokkaner mit Solarstrom versorgen.

Costa Rica bei erneuerbaren Energien auf Platz eins

Auf dem ersten Platz bei Strom aus erneuerbaren Energien liegt weltweit allerdings Costa Rica. Das kleine lateinamerikanische Land mit nur knapp fünf Millionen Einwohnern produziert seinen Strom zu 90 Prozent ohne fossile Brennstoffe – zu etwa 80 Prozent mit Wasserkraft, der Rest durch Geothermie und Windenergie, ein verschwindend geringer Teil aus Solarkraft. Das Ziel von Costa Rica: den CO2-Ausstoß bis 2021 auf dem Niveau von 2005 zu halten – so definiert das Land CO2-Neutralität.

Nachbarländer wie Panama und Nicaragua folgen dem Beispiel Costa Ricas: Mehr als die Hälfte ihres Stroms beziehen sie bereits aus Geothermie, Biomasse, Wasser- und Windkraft – und es soll schnell noch mehr werden. Größtes Hindernis dabei ist der Verkehr. Beim Transport ist etwa Costa Rica auf fossile Brennstoffe angewiesen, 2014 hat das mehr als zwei Drittel der CO2-Emissionen ausgemacht.

Beim Transport hält Norwegen den Spitzenplatz in Sachen klimafreundlicher Klimapolitik. Das skandinavische Land fördert seit 2012 umfangreich Elektroautos. Die Fahrer nutzen dabei vielerlei Vorzüge, dürfen etwa auch in der Rushhour Busspuren benutzen. "Wir zahlen keine Mehrwert- und weniger Kfz-Steuer, wir parken kostenlos und auch den Strom gibt es umsonst", erzählt ein E-Autofahrer aus Oslo.

Norwegen: keine Verbrennungsmotoren mehr bis 2025

Das Ziel der norwegischen Regierung: bis 2025 keine Autos mit Verbrennungsmotor mehr auf norwegischen Straßen. Derzeit ist jede dritte Neuzulassung ein voll- oder zumindest teilstromgetriebenes Auto. Damit werde sich das Land zukunftsorientiert aufstellen – auch auf dem Arbeitsmarkt, erklärt Christina Bu, Generalsekretärin von Norsk Elbilforenin, dem norwegischen Verband der Elektroautobesitzer: "E-Mobilität ist nicht die ferne Zukunft, sie passiert jetzt. So viele neue Arbeitsplätze können nicht nur mit dem Bau der Autos entstehen, sondern auch mit dem Aufbau und dem Unterhalt der Infrastruktur. Wir Norweger können ja nicht ewig vom Öl leben, wir müssen also mehr grüne Jobs schaffen."

Grüne Jobs schaffen durch klimafreundliche Politik – und die beinhaltet auch die komplette Abkehr von der Kohle. 2015 hat das norwegische Parlament einstimmig den Rückzug des staatlichen Pensionierungsfonds aus Geschäften mit Kohle beschlossen. Der Fond mit seinem Marktwert von umgerechnet mehr als 800 Milliarden Euro ist weltweit der größte Fonds seiner Art. Auch wirtschaftspolitisch handeln die Norweger also entschlossen für weniger CO2-Ausstoß.

Sendung: hr-iNFO, 8.10.2018, 16:25 Uhr

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