Edersee

Seen ohne Wasser, Skigebiete ohne Schnee: Der Klimawandel hat auch Auswirkungen auf den Tourismus. Inwieweit stellen sich Hessens Tourismusstädte und -regionen auf den Klimawandel ein?

Der Edersee im Nordhessischen Landkreis Waldeck-Frankenberg ist der drittgrößte Stausee in Deutschland. Mit seiner Hilfe werden nicht nur die Wasserstände der Flüsse Eder, Fulda und Weser geregelt. Der See dient auch als Touristenziel. Schlecht für den Tourismus ist, dass es immer weniger Wasser gibt – eine Folge des Klimawandels.

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"Wir haben natürlich in erster Linie eine große Auswirkung auf den Bereich Wassersport oder überhaupt auf das Thema Wasser. Da gehört ja nicht nur der Wassersport wie Segeln, Surfen, Bootfahren dazu, sondern natürlich auch das Thema Baden", erklärt Claus Günther von Edersee Touristic. Er sagt auch, dass immer weniger Segler an den See kommen. "Weil einfach die Gesamtwassersituation schon im frühen Sommer, also im Juli/August, nicht mehr den Erwartungen der Gäste entspricht", sagt Günther.

Wasserbewirtschaftung anpassen

Die würden natürlich auch ausreichend Wasser erwarten, wenn sie an den Edersee reisen, so Günther weiter. Darauf will die Region reagieren. Grundsätzlich gehe es derzeit darum zu schauen, ob man die Wasserbewirtschaftung entsprechend anpassen könne. Gleichzeitig wolle man auch nach wie vor die Schifffahrt auf der Oberweser unterstützen. "Aber das macht natürlich nur dann Sinn, wenn auch entsprechendes Wasservolumen im Edersee zurückgehalten werden kann, um dann auch dort die Schifffahrt sicher zu stellen", sagt Günther.

Auch der hessische Teil des Skigebietes Sauerland in Willingen ist auf die Einnahmen aus dem Tourismus angewiesen. Hier macht sich der Klimawandel noch nicht so stark bemerkbar. Zumindest nicht in den Wintermonaten, erklärt Julian Pape, Projektleiter der Wintersportregion. Die Bedingungen seien zwar schlechter geworden in den letzten Jahren. Allerdings nicht in der Form, als dass man Angst um den Wintersport habe.

Hessische Tourismusbranche gut auf Veränderungen eingestellt

Denn um den Pistenspaß zu gewährleisten, wird hier schon lange mit Kunstschnee nachgeholfen. Das Thema Beschneiung sei nicht zwingend in Verbindung mit dem Klimawandel zu bringen, sondern sei eine technische Entwicklung im Wintersport, erklärt Pape. "In allen großen Wintersportgebieten, die quasi wirtschaftlich arbeiten wollen, gehört das mittlerweile zum Standard. Weil es einfach die Pistenqualität auch verbessert und eine Saison planbarer macht", sagt Pape.

Generell sei die hessische Tourismusbranche gut auf Veränderungen eingestellt. Das betrifft auch den Klimawandel, sagt Hartmut Reiße, Geschäftsführer des Hessischen Tourismusverbandes. "Wir müssen uns mit unseren Maßnahmen, die in den einzelnen Tourismusorganisationen umgesetzt werden, auf den Klimawandel vorbereiten. Beziehungsweise: Er ist ja da. Und Angebote schaffen, die entsprechend klimafreundlich sind", so Reiße.

Wichtig ist die Zusammenarbeit der Region

Die Branche spüre auch, dass die Hessinnen und Hessen vermehrt Urlaub in heimischen Gefilden machen. Das liege vor allem auch an einer Besonderheit, so Reiße weiter. Der Vorteil des Landes Hessens sei, dass 40 Prozent Waldanteil seien und dass das in Zukunft noch besser für die Vermarktung nutzbar sei.

Besonders wichtig sei die Zusammenarbeit mit den Regionen – beispielsweise beim Thema Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs. So könne man erreichen, dass Reisende auf das Auto verzichten. Er sieht aber auch die Touristen selbst in der Pflicht: Nachhaltiger Tourismus funktioniere nur dann, wenn alle Parteien sich darauf einließen.

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 4.11.2019, 15-18 Uhr

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