Frankfurter Hochhäuser im Morgenrot

Hitzewellen wie in diesem Jahr sollen laut Klimaforschern immer öfter vorkommen. Das stellt auch hessische Städte vor Herausforderungen: Einerseits braucht es neuen Wohnraum, andererseits soll sich auch das Stadtklima nicht verschlechtern.

Am 29. August ist in Wiesbaden eine große Veranstaltung geplant. Thema: "Abkühlung für heiße Städte – kommunale Planung ist gefragt". Gemeindevertreter sind geladen, Klimapolitiker und Städteplaner. Denn vor dem Hintergrund der Klimaerwärmung seien Stadt- und Landschaftsplanung zunehmend gefragt, so Sonja Singer-Posern, Klimaexpertin beim hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG), . "Die erste Herausforderung ist, dass man in der Verwaltung erkennt, dass es ein Querschnittsthema ist", meint Singer-Posern. "Wir müssen das Thema von Anfang an mitdenken“.

Endlich stehe auch dieses Thema etwas im Fokus, sagt die Expertin. Es sei vor allem in größeren Städten wie Frankfurt oder Wiesbaden einiges passiert. Aber in der Vergangenheit habe das Stadtklima nicht unbedingt oberste Priorität bei der Planung gehabt.

Herausforderung Wohnungsnot

Das Baugesetzbuch schreibt den Kommunen zwar seit Jahren vor, dass sie eine Anpassung an den Klimawandel berücksichtigen sollen, aber jede Kommunalverwaltung steht vor Ort vor dem Problem, unterschiedlichste Interessen unter einen Hut bringen zu müssen: neben der Stadtplanung oft auch Begehrlichkeiten der Eigentümer, die ausbauen oder verdichten wollen.

Aktuell besteht nach Auskunft von Sonja Singer-Posern auch die Herausforderung, das zunehmend drängende Thema "Heiße Stadt" mit dem Druck auf den Wohnungsmärkten in Einklang bringen zu können: "Das größte Problem dürfte derzeit die Wohnbebauung sein - wir brauchen Wohnungen." Andererseits müsse man dafür sorgen, dass sich das Stadtklima nicht verschlechtere, so dass "wir auch in großen Städten bei Hitzewellen noch gut leben können."

Frischluft für alle

Und das gelte für alle. Denn in Expertenkreisen haben sie die Sorge, dass ärmere Bevölkerungsgruppen in hoch verdichteten Stadtteilen steigenden Belastungen ausgesetzt sind, während Wohlhabende ihr Näschen in der Frischluftzone kühlen können.

Damit verbunden ist die Warnung, dass Kalt- und Frischluft-Schneisen nicht zugebaut werden dürften. Denn am Ende gehe es um die Stadt der Zukunft, in der ein Leben in Gesundheit möglich sei – gerade auch für besonders sensible Lebensbereiche wie Altersheime, Krankenhäuser oder Kindergärten.

Klimaforscher fordern Umdenken

Daraus ergibt sich für die Klima-Forscher die Forderung, Stadt- und Bauplanung ganzheitlicher zu betrachten als es oft geschehe: eben nicht nur auf ein konkretes Bauprojekt oder auf einen neuen Stadtteil zu schauen, sondern planerisch mit Blick auf die gesamte Stadt und das Umfeld. Im Kleinen sind viele Maßnahmen im Gespräch und werden teilweise auch umgesetzt, die für Abkühlung sorgen können: begrünte Dächer, mehr Bäume, kleine Wasserläufe in den Straßen, auch helle Fassadenanstriche oder hellerer Asphalt.

Allerdings: Die grüne Wiese allein tut es nicht. Wenn das Umfeld zu heiß und trocken ist, verdorrt das Gras - und das liefert kein bisschen Abkühlung.

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 13. August 2019, 6 bis 9 Uhr

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