Auf einer Packung Joghurt ist der sogenannte "Nuri-Score" zu sehen - eine Lebensmittelampel.

Bundesernährungsministerin Julia Klöckner hat sich für das farbige Logo Nutri-Score als klarere Kennzeichnung von Zucker, Fett und Salz in vielen Lebensmitteln ausgesprochen. Das System habe in einer offiziellen Verbraucherbefragung am besten abgeschnitten.

Das in Frankreich eingeführte System bezieht neben dem Gehalt an Zucker, Fett und Salz empfehlenswerte Bestandteile wie Proteine in eine Bewertung ein und gibt dann einen einzigen Wert an - in einer fünfstufigen Skala von "A" auf dunkelgrünem Feld für die günstigste Bilanz über ein gelbes "C" bis zu einem roten "E" für die ungünstigste. Das zutreffende Feld wird hervorgehoben. Erste Produkte mit dem Logo sind schon in deutschen Supermärkten zu kaufen.

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Der Wunsch der Verbraucher "nach mehr Sicherheit und Transparenz" beim Kauf von Lebensmitteln sei groß, erklärte Klöckner. Für viele erscheine es bisher schwer, beim Thema gesunde Ernährung "vieles richtig zu machen und sich sicher bei der schnellen Kaufentscheidung zu fühlen" - gerade in einer Zeit, in der vermehrt zu Fertigprodukten gegriffen werde, die teilweise zu viel Zucker, Salz oder Fett enthalten. Das habe gesundheitliche, aber auch volkswirtschaftliche Folgen, die sie nicht hinnehmen wolle, fügte die CDU-Ministerin hinzu. 

Einführung auf freiwilliger Basis

Der Nutri-Score erfülle viele Anforderungen an ein zusätzliches Nährwertkennzeichen: "Er ist auf den ersten Blick erfassbar, leicht zu verstehen und nutzt die eingängige, bereits gelernte Farbwelt einer Ampel", erklärte Klöckner. Dabei lasse der Nutri-Score zwar keine Rückschlüsse auf die Zusammensetzung der Nährwerte zu. Wichtig sei für die Verbraucher aber vor allem eine zusammenfassende Bewertung, die schnelle Orientierung gebe.

Der Umfrage zufolge entschieden sich 57 Prozent der 1604 Befragten für Nutri-Score. Testaufgaben zeigten zudem, dass der Nutri-Score unter den vier untersuchten Modellen am besten verstanden wird. So konnten 70 Prozent der Befragten Testaufgaben zur Einordnung eines Lebensmittels vollständig richtig lösen. Die Ministerin kündigte an, sie werde einen entsprechenden Verordnungsentwurf "zeitnah" dem Bundeskabinett vorlegen. Sie sprach von einem "Meilenstein" in der Ernährungspolitik. Die Nährwert-Ampel soll auf freiwilliger Basis eingeführt werden.

Kritik an Nutri-Score

Nach Ansicht der Verbraucherzentralen ist der Nutri-Score die beste bisherige Kennzeichnung, mit der Verbraucher sehr schnell den Nährwert eines Lebensmittels erkennen können. Allerdings bietet er nur eine grobe Einschätzung. Bei Gummibärchen, Schokoriegeln, Mayonnaise oder Chips weiß jeder, dass sie nicht sonderlich gesund sind. Bei anderen Lebensmitteln ist es nicht so eindeutig und bei einigen sorgt der Nutri-Score sogar für Verwirrung. Denn er berücksichtigt Vitamine und Nährstoffe ebensowenig wie die Zubereitungsart zu Hause, wenn viel Fett benutzt oder reichlich nachgesalzen wird.

So können zum Beispiel Mikrowellenpommes durchaus eine dunkelgrüne A-Bewertung bekommen, denn in den Pommes sind schließlich erst mal nur Kartoffeln und Sonnenblumenöl enthalten. Ähnliche Probleme gibt es auch bei Fischstäbchen und Chicken Nuggets. Die Nuggets haben eine orangefarbene D-Bewertung. Die Fischstäbchen ein hellgrünes B. Auch hier wird die Zubereitung nicht beachtet: Mit viel Fett in der Pfanne oder ohne Fett im Backofen? Eine A-Bewertung bekommen oft auch Fleischprodukte.

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 30.9.2019, 15 bis 18 Uhr

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