Chaotische Rettungsgasse
Bild © picture-alliance/dpa

Rettungsgassen sind in der Theorie sehr einfach. Dennoch haben Rettungsdienste häufig Probleme durchzukommen. Wie sieht es auf hessischen Autobahnen aus?

Christian Erwin leitet Rettungseinsätze des DRK im Landkreis Fulda. Er sagt, wenn die Rettungsgasse nicht funktioniert, bringe das Unfallopfer und Retter in Gefahr. "Wir waren an der Einsatzstelle und die Autofahrer fuhren mit hoher Geschwindigkeit durch die Unfallstelle", so Erwin. Es sei auch keine Rettungsgasse gebildet worden, so dass sich niemand sicher auf der Autobahn bewegen konnte. Erwin kennt das Umfrageergebnis des Deutschen Roten Kreuzes zum Thema: 80 Prozent aller ausgewerteten Einsätze wurden demnach von blockierten Rettungsgassen erschwert. Für ihn ist es keine Überraschung.

So bildet man eine Rettungsgasse
Bild © hessenschau.de

"Ich denke, in Hessen würde ein ähnliches Ergebnis rauskommen. Rettungsgassen sind am Anfang oft ganz gut, zur Unfallstelle hin aber werden sie oft chaotisch", sagt der Rettungsleiter. Und das kann die Retter in eine Lage bringen, die nur schwer zu ertragen ist. "Man bekommt Rückmeldungen von der Unfallstelle und weiß, dass man jetzt gebraucht wird", sagt Erwin. Der Stresspegel gehe dadurch natürlich immer höher. "Man kann einfach nichts machen. Man kommt nicht durch und verliert wichtige Zeit, um an die Einsatzstelle zu kommen", erzählt er.

"Bei allen Staus gibt's Probleme"

Christian Erwin erlebt die Autofahrer oft als ignorant, sensationsgierig oder schlicht ahnungslos. Dabei sollte die Bildung einer Rettungsgasse kein unlösbares Problem sein, meint Martin Schäfer von der Polizei Osthessen. Wenn sich die Fahrer an ihre Fahrstunden erinnern würden, sei das nicht schwierig. Aber man sei abgelenkt heute, habe anderes im Kopf. "Man sieht, wenn ein Stau entsteht. Dann kann man sich früh auf die Rettungsgasse einstellen", sagt Schäfer.

Weitere Informationen

Wie bildet man eine Rettungsgasse?

Sie sind mit dem Auto unterwegs, plötzlich hören Sie einen sich nähernden Rettungswagen. Jetzt gilt es sofort eine Rettungsgasse zu bilden, aber wie? Wie es richtig geht, zeigen wir hier. [mehr]

Ende der weiteren Informationen

Erst recht, wenn man sich über das Radio schon früher über den Stau informieren lässt, gebe es keine Ausrede mehr. Trotzdem: "Von zehn Staus, durch die Sie zur Unfallstelle fahren, könnte ich Ihnen fast versprechen, bei allen Staus gibt's Probleme", sagt der Polizist. Er kenne keinen Fall, wo ein Stau so aufgebaut sei, dass eine Rettungsgasse hundertprozentig funktioniere.

Technische Unterstützung

Fatale Folgen kann vor allem das Fehlverhalten von Lkw-Fahrern haben. Wenn massige Sattelschlepper in der Rettungsgasse stehen, findet sich oft keine Lücke mehr für sie. Martin Schäfer weiß, ohne Druck lernen deutsche Fahrer offenbar nur schwer. Er begrüßt deshalb den neuen Bußen-Katalog: Wer behindert, zahlt zwischen 200 und 320 Euro, in schweren Fällen drohen auch zwei Punkte und ein Monat Fahrverbot.

Audiobeitrag

Podcast

zum Artikel Rettungsgasse: "Im Wohnzimmer denkt man gerne an was anderes"

Ende des Audiobeitrags

Und jetzt bekommt die Polizei Osthessen auch ganz neue technische Unterstützung. "Ganz frisch kann ich das bekanntgeben: Wir werden nächste Woche unsere Autobahn-Polizeidienststellen ausstatten mit vier Streifenwagen, die über Front- und Heckkameras verfügen. So dass wir nach dem Einsatz ordentlich Bußgeldbescheide verschicken werden", sagt Schäfer.

Und diese Ankündigung gefällt nun auch dem professionellen Retter Christian Erwin vom DRK. Er hält diese Methode für wirksam. "Ich habe in meiner Laufbahn schon so einiges gesehen. Und hätte die Polizei solche Möglichkeiten gehabt, dann hätten wir schon den einen oder anderen greifen können, der sich fehlverhalten hat", so Erwin.

Sendung: hr-iNFO, 20.11.2018, 16.40 Uhr

Jetzt im Programm