Ein Fahrzeug rast nachts durch Frankfurt. (Archivbild)
Ein Fahrzeug rast nachts durch Frankfurt. (Archivbild) Bild © picture-alliance/dpa (Archiv)

Raserei ist Mord - so urteilte das Berliner Landgericht vor einem Jahr und schrieb damit Rechtsgeschichte. Der BGH hob das Urteil allerdings später auf. Die Begründung: Man könne nicht von Mord sprechen. Von Dienstag an wird der Fall neu verhandelt.

Mit dem Urteil des Berliner Landgerichts waren zum ersten Mal in Deutschland zwei Angeklagte wegen eines tödlichen Autorennens zu lebenslangen Haftstrafen wegen Mordes verurteilt worden. Die 24 und 26 Jahre alten Männer hatten in einem nächtlichen Rennen auf dem Kurfürstendamm mit Geschwindigkeiten von bis zu 170 Stundenkilometern eine rote Ampel nach der anderen überfahren – bis einer der beiden in den Wagen eines Rentners krachte und ihn förmlich durchbohrte. Der 69-Jährige war bei Grün in die Kreuzung eingebogen, er starb noch an der Unfallstelle.

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Das Mordurteil des Berliner Landgerichts wurde jedoch vom Bundesgerichtshof später aufgehoben mit der Begründung, dass man wegen Mordes nur verurteilt werden könne, wenn man einen Menschen vorsätzlich tötet.

Das sei im Fall der jungen Männer nicht gegeben. Bei der Neuauflage des Prozesses am Berliner Landgericht wird es also auch wieder um die Frage gehen: Kann ein tödlicher Verkehrsunfall als Mord bewertet werden?

Chronologie: Illegale Autorennen und ihre Folgen

Immer wieder kommt es durch illegales Autorasen und spontane oder aber auch verabredete illegale Autorennen zu Unfällen – teilweise mit tragischen Folgen. Eine Chronologie.

Von Corinna Tertel

Köln, 2001

Die Ampel ist rot auf dem zweispurigen Innenstadtring. Zwei Motoren heulen auf, immer wieder. Die Ampel ist noch nicht grün, doch jetzt rasen sie los. Über die nächste Kreuzung fährt gerade ein Auto, es wird in eine Gruppe geschleudert, das an der roten Fußgängerampel wartet. Es gibt sechs Verletzte.

Einer davon stirbt später in der Klinik. Es ist der Sohn des damaligen Kölner Oberbürgermeisters Fritz Schramma. 15 Jahre später sagt Fritz Schramma in der ARD: "Die Jungs, die sind nach zwei Jahren frei. Die laufen auch aus der Bewährung heraus, die sind auch aus dem Saal herausgegangen, lachenderweise. Im Sinne von: Zwei Jahre auf Bewährung, ist ja noch mal glimpflich ausgegangen.

Fulda, 2015

Ein Mittwochabend gegen 22.30. Zwei Sportwagen rasen über die Petersberger Straße. Ein Mercedes- und ein Audifahrer. Der Audifahrer verliert die Kontrolle und prallt mit hoher Geschwindigkeit gegen eine Haustreppe. Der Fahrer und seine 19-jährige Beifahrerin werden aus dem Auto geschleudert. Der Fahrer stirbt, die 19-Jährige wurde schwer verletzt. Nach 70 Metern kommt der Wagen zum Stehen. Der Mercedesfahrer bekommt acht Monate auf Bewährung, ein Jahr ohne Führerschein und muss Geld zahlen.

Köln, 2015

Zwei Anfang 20-jährige Männer liefern sich ein Autorennen. Der BMW ist fast 100 Kilometer pro Stunde schnell, als sein Fahrer die Kontrolle verliert. Auf dem Radweg der Gegenfahrbahn kommt gerade eine 19-jährige Studentin von der Uni. Das Auto erfasst sie. Zwei Tage später stirbt sie an ihren Kopfverletzungen. Trotz Radhelm. Innerhalb von vier Monaten sterben in Köln außerdem ein 26-jähriger Radfahrer und ein 49-jähriger Fahrgast in einem Taxi.

2016 und 2017

In Hagen in Westfalen gibt es fünf Verletzte nach einem spontanen Autorennen. Es hatte sich an einer roten Ampel ergeben. Ein sechsjähriges Kind schwebt zwei Wochen in Lebensgefahr. In Mönchengladbach stirbt ein Fußgänger, der Autoraser muss sich wegen Mordes vor Gericht verantworten. Bei Frankfurt stirbt ein Motorradfahrer auf der A66 durch ein Autorennen, in Bad Schwalbach und in Gießen gibt es Schwerverletzte.

Kassel, 2017

Seit zwei Monaten ist das neue Gesetz gegen illegale Autorennen in Kraft. Es ist Samstag, kurz nach Mitternacht. Ein 18-Jähriger im BMW schießt die Kohlenstraße hoch - ein Rennen mit einem anderen BMW. Einer überholt und kracht auf der Gegenfahrbahn mit einem Kleinwagen zusammen. Das Resultat: fünf teils schwer Verletzte.

Zur Bilanz der Polizei ein Jahr nach Inkrafttreten des neuen Gesetzes in Kassel sagt Pressesprecher Thorsten Werner: "Für Kassel gilt, dass wir jetzt keine etablierte illegale Autorennszene haben, das sind mehr spontan verabredete Rennen, die sich zufällig an Ampeln ergeben, da sehen wir tatsächlich keine Veränderung."

Sendung: hr-iNFO, 14.8.2018, 6:10 Uhr

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