Kohlekraftwerk

Wann sollen Deutschlands Kohlekraftwerke vom Netz gehen? Darauf haben sich Bundesregierung und Kohle-Länder jetzt geeinigt. Ein Überblick.

Der Fahrplan steht: Bund und Länder haben sich auf konkrete Termine verständigt, wann genau welches Kohlekraftwerk vom Netz gehen soll. Diese fast schon poetisch "Stilllegungspfad" genannte Einigung sieht vor: Bis Ende 2022 sind es zunächst ausschließlich Meiler in Nordrhein-Westfalen, die abgeschaltet werden.

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Zum Artikel Kommentar: Bundesregierung hat sich Kohleausstieg teuer erkauft

Ein Windrad steht auf einem Feld vor einem Kohlekraftwerk
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Zunächst wird bei der Braunkohle bis Ende 2020 der erste Kraftwerksblock von RWE vom Netz gehen. Bis Ende 2021 beziehungsweise Ende 2022 sollen sieben weitere Blöcke im Rheinland entlang der Nord-Süd-Bahn des Konzerns folgen. Als erstes ostdeutsches Kraftwerk soll die Anlage im brandenburgischen Jänschwalde bis Ende 2028 komplett abgeschaltet sein.

Ausstieg bis 2035?

Es folgt bis Ende 2034 das Kraftwerk Schkopau in Sachsen-Anhalt und bis Ende 2035 Lippendorf in Sachsen. Die Braunkohlekraftwerke Boxberg und Schwarze Pumpe in Sachsen und Brandenburg sollen zusammen mit Kraftwerksblöcken in Niederaußem und Neurath in Westdeutschland spätestens Ende 2038 als letzte Anlagen dieser Art in Deutschland vom Netz gehen.

Schon länger steht fest, dass Deutschland bis 2038 den Ausstieg aus der Kohle vollendet haben will. Nun soll aber laut der Vereinbarung 2026 und 2029 geprüft werden, ob die letzten Kraftwerke schon drei Jahre früher vom Netz gehen können. Dann wäre der Kohleausstieg schon 2035 perfekt. Dies alles soll nun in ein Gesetz gegossen werden, das die Bundesregierung noch im Januar auf den Weg bringen will.

Hambacher Forst wird nicht gerodet

Ein weiteres Ergebnis der insgesamt sechsstündigen Nachtsitzung: Der Hambacher Forst im rheinischen Braunkohlerevier wird nicht gerodet. Das Waldstück zwischen Köln und Aachen war für Klimaaktivisten zu einem Symbol des Widerstands gegen die Kohlewirtschaft geworden.

Jetzt, wo der Abschalt-Fahrplan steht, ist auch der Weg frei für die Hilfen in Höhe von 40 Milliarden Euro, die der Bund den betroffenen Bundesländern zahlen will, damit diese den Kohleausstieg besser verkraften. Die Betreiber der bald stillgelegten Anlagen sollen mit insgesamt 4,35 Milliarden Euro entschädigt werden.

Heftig gestritten wurde zuletzt auch über die Frage, ob ein im nordrhein-westfälischen Datteln gerade erst neu gebautes Kraftwerk überhaupt noch ans Netz gehen soll. Das soll jedoch nach den Worten von Ministerpräsident Armin Laschet passieren.

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 16.1.2020, 15 bis 18 Uhr

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