Deutsche Bank

Eigentlich sind Jubiläen ein freudiger Anlass. Grund für Jubel bei der Deutschen Bank sieht unser Kommentator trotz kurzen Aufwindes allerdings kaum - eher im Gegenteil.

Es wäre zu schön gewesen: Pünktlich zum 150. Geburtstag schafft die Deutsche Bank endlich die Kehrtwende. Doch nach ein paar Monaten Ruhe, steigendem Aktienkurs und einem neuen Großaktionär hat Deutschlands größte Privatbank die Realität wieder eingeholt. Die Aktie ist wieder abgeschmiert – ein einziges Trauerspiel für die Eigentümer.

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Zum Artikel Jubiläum in stürmischen Zeiten: Die deutschen Banken werden 150

Frühnebel Deutsche Bank Frankfurt
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Jetzt geht die Angst vor dem Coronavirus und einer Wirtschaftskrise um – das Ziel des Vorstandes, in diesem Jahr wieder schwarze Zahlen zu schreiben, steht auf der Kippe.

Geldwäsche nicht ernst genug genommen

Beunruhigend finde ich auch den jüngsten Rüffel der britischen Bankenaufsicht: Der Kampf gegen Geldwäsche werde von der Deutschen Bank noch immer nicht ernst genug genommen. Ähnliche Kritik kam auch schon aus den USA. Ohne dramatisieren zu wollen: Das wirkt wie ein Rückfall in ungute alte Zeiten.

Kaum ein Skandal, kaum eine Betrügerei, bei der die Deutsche Bank nicht an vorderster Stelle dabei war – Risiken konnten gar nicht groß genug sein auf der Jagd nach abenteuerlichen Renditen. Die Folge: Tausende juristische Verfahren, milliardenschwere Strafen, jahrelange Beschäftigung mit sich selbst. Hochbezahlte Manager kamen und gingen.

Anschluss verpasst?

Und heute? Verdient die Deutsche Bank unter dem Strich kein Geld, beschäftigt sich weiter mit sich selbst und droht den Anschluss völlig zu verlieren: Apple, Google und Co revolutionieren das Bezahlen, Finanzierungen und Versichern in einer digitalen Welt. Keiner wartet auf die Deutsche Bank. Sie ist dabei, den Rest, der noch geblieben ist, zu verspielen.

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Sendung: hr-iNFO Aktuell, 10.3.2020, 6 bis 9 Uhr

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