Hessischer Landtag Fassade
Hessischer Landtag Fassade Bild © picture-alliance/dpa

Die AfD würde laut neuem hr-Hessentrend drittstärkste Kraft, wenn am Sonntag Landtagswahl wäre. Das sei ein Warnschuss an die übrigen Parteien, die Flüchtlings- und Integrationsfrage ernstzunehmen, meint unsere Kommentatorin.

Der aktuelle Hessentrend zeigt für mich: Am Thema Flüchtlinge, Einwanderung und Asyl entscheidet sich auch die hessische Landtagswahl. Zwar kommen immer weniger Geflüchtete nach Deutschland und nach Hessen, und es gibt gerade in Hessen zahlreiche Integrations-Bemühungen. Aber dennoch haben 37 Prozent der Befragten des hr-Hessentrends das Thema Flüchtlinge diesmal wieder als das wichtigste Problem in Hessen bezeichnet. Kein anderes Thema wurde häufiger genannt.

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hr-Hessentrend

Auf eine erneute Mehrheit dürfen CDU und Grüne in Hessen derzeit kaum hoffen. Im neuen hr-Hessentrend profitiert die SPD davon aber nicht. Dafür wird die AfD drittstärkste Kraft - auch weil ihr Hauptthema wieder für mehr Wähler an Brisanz gewinnt. [mehr]

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Das dürfte an dem Fall des Mädchens Susanna aus Mainz liegen, das kürzlich in Wiesbaden mutmaßlich von einem Flüchtling vergewaltigt und getötet wurde. Das mag auch am Skandal im Bundesamt für Migration und Flüchtlinge liegen. Und daran, dass sich die Union im Bund im Streit um den richtigen Weg in der Flüchtlingsfrage blutigst bekämpft.

Erfolg liegt nicht an landespolitischen Themen

Aber egal, wie viele Gründe das haben mag, die wenig mit Hessen zu tun haben, und egal, wie irrational einem das Ganze erscheinen mag - für mich ist das ein Warnschuss, der bedeutet: Die Politik kommt um das Thema Flüchtlinge im hessischen Wahlkampf nicht herum. Wer das versucht, spielt in meinen Augen nur der AfD in die Hände.

Denn dass die AfD in der Sonntagsfrage des hr-Hessentrends auf 15 Prozent kommt – mehr als die AfD im Bundestag hat! –, das liegt doch nicht an der hessischen AfD und den landespolitischen Themen der Partei. Den Spitzendidaten der AfD in Hessen kennen 80 Prozent der Befragten überhaupt nicht. Eigene Akzente muss die hessische AfD erst noch setzen.

Und doch hat die AfD in Hessen einen solchen Zuspruch? Dass auch das irrational ist, spielt keine Rolle. Jetzt müssen die übrigen Parteien die Flüchtlings- und Integrationsfrage als einen zentralen Punkt ihrer Kommunikation erkennen: Zuhören, Fragen zulassen, vernünftige Antworten geben. Antworten, die es uns erlauben, Menschen zu bleiben. Aber auch eine Gemeinschaft. Gelingt das nicht, wird das im Herbst für die AfD der bequemste Einzug in den Landtag, den Hessen je gesehen hat.

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Der KOmmentar gibt die Meinung des Autors und nicht die der Redaktion wieder.

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Sendung: hr-iNFO, 21.6.2018, 6:30 Uhr

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