Logistikzentrum Wölfersheim

Jeden Tag werden in Hessen drei Hektar Wiesen-, Wald- und Ackerfläche bebaut, vor allem von Unternehmen. Das schaffe Arbeitsplätze im ländlichen Raum, betonen Befürworter. Der wirtschaftlichen Entwicklung einer Region dürfe aber nicht alles unterworfen werden, meint unsere Kommentatorin.

Natürlich: Wir brauchen heimatnahe Arbeitsplätze, vor allem in ländlichen Gebieten. Jeder Pendler wird mir da zustimmen. Und na klar: Unsere chronisch klammen Kommunen freuen sich über jeden Euro an Gewerbesteuern, der reinkommt - und der dann vielleicht sogar in die Kitas gesteckt wird und so den Bürgern zugutekommt.

Wir brauchen starke Wirtschaftsstandorte im ländlichen Raum, um nicht abgehängt zu werden - aber um welchen Preis? Logistikzentren werden gebaut auf fruchtbarem Ackerland und verdrängen damit nicht nur Landwirte. Auch Flächen für die Tierwelt, die Naherholung und die Freizeit fallen weg. Das Landleben, wie wir es kennen, wird im wahrsten Sinne grauer, betongrau.

An die eigene Nase packen

Besonders absurd ist es in Wölfersheim im Wetteraukreis: Eine Supermarktkette, die damit wirbt, regionale Erzeugnisse zu vermarkten, will 30 Hektar regionale Ackerfläche zubetonieren. Wenn wir uns tatsächlich nachhaltiger und regionaler ernähren wollen, was wir im Sinne unseres Klimas tun sollten, dann brauchen wir die wertvollen Ackerflächen vor Ort - mehr denn je.

Ein Bagger und ein Protestplakat auf dem Bauland für das neue Rewe-Logistikzentrum

Ich finde, es darf nicht jede Sahnestück-Fläche im Namen der wirtschaftlichen Entwicklung einer Region bebaut werden. Und innerhalb der Rathäuser muss mal ganz grundsätzlich darüber diskutiert werden, welchen Stellenwert man Wirtschaft und Natur - vor allem mit Blick auf die Zukunft - einräumen will.

Aber: Wenn wir uns darüber beschweren, dass alles der Wirtschaft und den großen Konzernen unterworfen wird und dann unsere Natur, unser Leben im ländlichen Raum darunter leidet - dann müssen wir uns zuallererst an die eigene Nase packen. Wir - das sind die Verbraucher, und das bin ich auch ich, die Online-Bestellungen gerne am nächsten Tag in den Händen hält und im Supermarkt um die Ecke Bananen aus Costa Rica kauft. Die Produkte müssen eingeflogen, gelagert und disponiert werden - und dafür braucht es: Fläche.

Sendung: hr-iNFO, 18.12.2018, 16:10 Uhr

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