Mitglieder der Deutschen Bischofskonferenz

Die Bischofskonferenz in Fulda hat sich mit großer Mehrheit zu Reformen in der katholischen Kirche bekannt. Doch viel mehr als kosmetische Operationen seien kaum zu erwarten, meint unser Kommentator.

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Zum Artikel Eine neue Reformation? Katholische Bischöfe ringen um Kurs

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Vor genau einem Jahr haben die katholischen Bischöfe die Idee in die Welt gesetzt: ein gemeinsamer Diskussionsprozess von Bischöfen und Laien, von Hierarchie und Kirchenvolk, mit klar definierten Themen und mit dem Ziel verbindlicher Verabredungen. Der synodale Weg - ein ehrgeiziges Reformprojekt.

Die Hoffnungen vieler Katholiken schnellten in die Höhe. Endlich bewegt sich was! Endlich sind auch die Bischöfe bereit, über all die heißen Eisen der Reformdebatte wenigstens zu diskutieren und sogar was zu ändern. Die Erschütterung über den tausendfachen sexuellen Missbrauch durch Priester hatte die Fronten aufgeweicht – so schien es.

Keine Klarheit über Reformprozess

Am 1. Dezember soll's damit nun losgehen. Aber was genau soll da passieren? Bei ihrer Tagung in Fulda hatten die Bischöfe die Aufgabe, einigermaßen klarzumachen, was man von diesem Reformprozess erwarten kann, oder was wenigsten die Bischöfe durch ihn erreichen wollen.

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Tatsächlich ist nach den vielen Worten, die der Bischofskonferenz-Vorsitzende Kardinal Marx vor Journalisten gesprochen hat, nichts klar. Außer vielleicht eines: Ein Signal des Aufbruchs und der Erneuerung geht von dieser Bischofskonferenz nicht aus.

Uneinigkeit über Ursachen der Krise

Das beginnt schon damit, dass zwei der Mitbrüder es nicht mal abwarten konnten, bis der Vorsitzende die Ergebnisse der Öffentlichkeit präsentiert hatte. Schon Stunden zuvor erklärten sie ihre Vorbehalte. Der Regensburger Bischof Voderholzer spricht von einer falschen Weichenstellung. Er behält sich vor, baldmöglichst wieder auszuscheren vom synodalen Weg. Und auch der mächtige Kölner Kadinal Woelki ließ via Twitter wissen, er habe den Statuten des Reformprozesses nicht zugestimmt.

Es zeigt sich, dass die Bischöfe eben nicht einig sind über die Ursachen der Krise. Die Mehrheit sieht offenbar ein, dass der Machtmissbrauch durch Priester, die aus der Welt gefallene Sexualmoral der katholischen Kirche, der Zwang zur Ehelosigkeit für Priester und das Fehlen von Frauen in auch den höchsten Ämtern der Kirche es vielen Menschen unmöglich machen, überhaupt noch an die frohe Botschaft des Evangeliums zu glauben.

Eine Minderheit meint dagegen, die Leute müssten nur fester im Sinne der Kirche glauben, dann würden sich die Probleme schon fast von alleine lösen. Und die Glaubenswächter in Rom argwöhnen bei alledem, dass die deutsche Kirche sich zu weit aus dem Fenster lehnen könnte in Fragen, die sich eigentlich gar nichts angehen.

Wirklich ändern wird sich nichts

Der so hoffnungsfroh erwartete Reformprozess auf dem synodalen Weg ist – so sehe ich das – ins Straucheln geraten, bevor er überhaupt losgegangen ist. Die Reformdynamik: ausgebremst und eingehegt. Weltkirchlich relevante Fragen wie Zölibat und Weihe für Frauen: nichts für bloß deutsche Entscheidungen, sagt Marx. "Da können wir ja Vorschläge nach Rom weiterleiten."

Am ehesten wird es die eine oder andere kosmetische Operation geben: mehr Frauen auf Verwaltungsposten, den einen oder anderen symbolischen oder tatsächlichen Machtverzicht eines Bischofs. Wirklich ändern wird sich nichts. Das ist mein Eindruck von dieser Herbstvollversammlung der Bischöfe. Und insofern kann ich allen, die ihre Erwartungen auf eine veränderte Kirche in diesen synodalen Weg setzen nur raten, ihre Hoffnungen nicht zu hoch zu schrauben.

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 26.9.2019, 15-19 Uhr

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