Party auf dem Frankfurter Opernplatz

Die Clubs sind geschlossen, die Nächte lau: Da zieht es viele zum Feiern ins Freie. Regeln interessieren dabei oft nicht. Doch auch wenn der Ärger darüber verständlich ist: Es müssen Lösungen für junge Menschen her, meint unsere Kommentatorin.

Man hat es nicht leicht als junger Mensch heutzutage. Erst weiß man nicht, ob man sein Abi schreiben kann und dann gibt’s weder Ball noch Party. Eigentlich fühlt man sich nach der letzten Prüfung so richtig frei, hat draußen schon irgendwo Getränke kaltgestellt und begießt dann in der Sonne feucht-fröhlich das Ende der Schulzeit. 

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Zum Artikel Partys im Freien: Wie groß ist die Infektionsgefahr?

Der Opernplatz in Frankfurt bei Nacht mit ca. 2 500 Menschen, die dort feiern.
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Es ist ein Lebensabschnitt, den man da zusammen gemeistert hat. Nach wochenlanger Lernerei hat man sich  mit den Gedanken an diese Party und den Abiball motiviert. Danach ist man jung, frei und kann feiern, bis der nächste Ernst des Lebens kommt. Sechs Jahre ist das bei mir jetzt her und meine kleine Schwester muss nun auf all das verzichten.

Sehnsucht nach Unbeschwertheit

Keine Abipartys, keine Clubnächte, nicht mal Weinfest oder Kerb. Bis vor kurzem war selbst eine Gartenparty mit der Clique illegal. Es fühlt sich komisch an, jetzt einfach fertig zu sein, hat meine Schwester nach ihrer letzten Prüfung gesagt. Klar, sie kann seit den Lockerungen mit wenigen Freunden feiern. Aber wer sich, wie ich, an seine Abipartys erinnern kann, der weiß, dass es zwischen zehn Leuten und einem ganzen Jahrgang spürbare Unterschiede gibt.

Bevor Sie es falsch verstehen – ich spreche mich damit nicht für unkontrollierte Saufgelage aus, bei denen Corona nur noch auf der Bierflasche steht. Aber ich verstehe die Sehnsucht nach dem Gefühl, sich unbeschwert über das Leben zu freuen und frei zu sein. Und das bring feiern nun mal so mit sich. Diese Meinung teilen auch Jugendforscher*innen: Jugendliche bräuchten für ihre spezielle Lebensphase Gleichaltrige und Räume. Die suchen sie sich jetzt eben.

Die meisten waren lange vernünftig

Ich bin mit meinen 24 Jahren zwar nicht mehr jugendlich, aber auch ich würde gerne mal wieder feiern gehen. Durchtanzen bis es hell wird und mitsingen bis man heiser ist – und zwar ohne dass man denkt: 'Oh Abstand und Aerosole'.

Die meisten jungen Menschen waren sehr lange vernünftig, sind zu Hause geblieben und haben sich solidarisch mit der Risikogruppe gezeigt. Beachtet wurden aber vor allem die negativen Vorkommnisse, wenn sich doch mal verbotenerweise Coronapartys gebildet haben. Das war nicht gut, wird der Generation aber nicht gerecht.

Nach Lösungen suchen

Auf ewig einsperren funktioniert jedenfalls nicht, schon gar nicht im Sommer zur Festivalsaison, in der mit jedem abgesagten Termin die Sehnsucht nach dem Freiheitsgefühl wächst.  Mit Unverständnis hat das nix zu tun - natürlich müssen sich weiter alle an die Regeln halten, natürlich ist das Bekämpfen der Pandemie wichtiger als feiern. Es wurde aber für alle möglichen Bereiche und Bedürfnisse nach Lösungen gesucht, sodass wir hier jetzt auch eine brauchen.

Erste Experimente wie morgens Test und abends Party gibt es in Hessen schon. Man könnte auch beim Einlass neben dem Personalausweis die Corona-App kontrollieren. Aber es muss Angebote geben. Denn wenn es keine offiziellen Optionen gibt, dann wird es inoffizielle geben. Das war schon immer so, daran wird auch Corona nichts ändern.

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Der Kommentar spiegelt die Meinung der Autorin und nicht die der Redaktion wider.

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Sendung: hr-iNFO Aktuell, 10.7.2020, 15 bis 18 Uhr

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