Deutsche Bank
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Die Deutsche Bank will 10.000 Stellen streichen und sich neu ausrichten. Damit will man vor allem die Aktionäre ruhigstellen, meint unser Kommentator. Besser wäre es, an anderer Stelle anzusetzen.

10.000 Arbeitsplätze will die Deutsche Bank streichen. Übersetzt heißt das: Ohne euch geht es besser. Dass die Deutsche Bank den Rotstift ansetzt und Mitarbeiter loswerden will, ist schon länger klar. Jetzt hat der neue Chef Christian Sewing aber noch mal nachgelegt. 10.000 Stellen weniger sollen es sein. Eine neue, konkrete Zahl.

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Diese Zahl, versehen mit dem Zusatz, die Bank solle entschiedener und schneller umgebaut werden als bisher, wirkt auf mich allerdings wie eine Beruhigungspille für die Aktionäre auf der Hauptversammlung. Sie sollen damit ruhiggestellt werden, ihren Ärger über jahrelange Verluste, bestenfalls niedrige Dividenden und einen abgerutschten Aktienkurs möglichst vergessen. Dafür sollen die Mitarbeiter zahlen. Aber was, wenn das keine schnelle Besserung bringt? Folgen dann weitere 1.000 Arbeitsplätze? Oder nochmal 10.000?

Getrieben von roten Zahlen

Auch der Neue an der Spitze wirkt auf mich wie getrieben - getrieben vom Aktienkurs, von roten Zahlen. Die verzweifelten Versuche der letzten Jahre, die Deutsche Bank wieder zu stabilisieren, haben bislang nicht wirklich geholfen. Fitschen, Jain und Cryan sind daran schon gescheitert, jetzt ist Christian Sewing an der Reihe: kein Investmentbanker, nein - ganz bodenständig, ein Eigengewächs vom Bankschalter aus Bielefeld. Ich glaube das könnte durchaus passen.

Nur scheint es nicht so, als habe er wirklich die Zeit, eine neue Strategie zu entwickeln. Vielleicht haben sie bei der Deutschen Bank auch einfach keine Ideen mehr, wie sie aus der Krise kommen sollen. Man darf ihm nicht unrecht tun: Sewing versucht wahrscheinlich wirklich alles in seiner Macht Stehende, die Bank wieder in die Spur zu bringen – das Investmentbanking, das in den letzten Jahren für viele finanzielle und rechtliche Probleme verantwortlich war, wird zurechtgestutzt, die IT-Systeme werden modernisiert, man behält die Postbank mit ihren Millionen Privatkunden, man zieht sich aus schwierigen oder kleinen Märkten zurück.

Mehr Konsequenz - auch an der Spitze

Das ist alles schön und gut, aber ist für dieses mehr oder weniger 'Weiter so' wirklich der x. Chefwechsel nötig gewesen, der vor allem für eines gesorgt hat: sehr viel Unruhe und Unsicherheit? Möglicherweise müsste die Bank an einer ganz anderen Stelle ansetzen: Der Aufsichtsratsvorsitzende, unter dem das Auf und vor allem Ab der letzten Jahre  stattgefunden hat, heißt nach wie vor Achleitner.

Vielleicht sollte man wirklich konsequenter sein – nicht nur bei den Mitarbeitern, sondern auch an der Spitze. Und wirklich nochmal bei Null anfangen, mit einem neuen Aufsichtsratsvorsitzenden. Ansonsten, befürchte ich, werden unter dem Umbau der Bank weiterhin vor allem die Mitarbeiter zu leiden haben. Aber den Mut, beim Aufsichtsratsvorsitzenden die Reißleine zu ziehen, hatten die Aktionäre leider nicht.

Sendung: hr-iNFO, 24.5.2018, 16:10 Uhr

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