Kopftuch

Es gibt wohl kaum ein Stück Stoff, das so polarisiert wie das islamische Kopftuch. Eine Diskussion, die so emotional geführt wird, trägt zu Ausgrenzung bei, kommentiert Anne Baier - und fordert eine sachliche Auseinandersetzung.

Meine Freundin aus Syrien fragte mich neulich: 'Warum reden die Deutschen eigentlich immer über das Kopftuch? Haben sie nicht wichtigere Dinge zu klären?' Letztendlich konnte ich ihr keine richtige Antwort darauf geben. Denn es stimmt: Kaum geht es um das islamische Kopftuch, sehen alle rot. Es entbrennen Diskussionen, die nicht nur an den Stammtischen geführt werden, sondern die schnell die Meinungsseiten der Medien dominieren.

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Konferenz um islamisches Kopftuch

Eine Konferenz zum islamischen Kopftuch an der Frankfurter Goethe-Uni hat im Vorfeld für Proteste gesorgt. Am Mittwoch hat die Veranstaltung unter großen Sicherheitsvorkehrungen begonnen.

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Kaum ein Thema schafft es, so schnell die Emotionen hochkochen zu lassen und so zur Grundsatzdiskussion zu werden wie das Kopftuch. Über Integration, über die Befreiung der muslimischen Frauen, über Selbstbestimmungsrecht und über Religionsfreiheit.

Schlagabtausch statt Austausch

Warum eigentlich? Warum schaffen wir es nicht, sachlich darüber zu reden? Und letztendlich nicht mit den Frauen, die es tragen, sondern in den meisten Fällen ÜBER sie? So auch bei der geplanten Konferenz zum islamischen Kopftuch.

Denn viele der eingeladenen Rednerinnen haben eine klare politische Haltung - Alice Schwarzer und Necla Kelek sind bekannt für ihre vehemente Ablehnung des Kopftuchs. Sie haben sich die Befreiung der muslimischen Frauen schon lange auf die Fahne geschrieben. Und von der Journalistin Khola Mariam Hübsch aus Frankfurt hat man schon oft gehört, dass sie das Kopftuch als Ausdruck ihrer Gläubigkeit trägt.

Es ist also absehbar: Hier geht es nicht um einen wissenschaftlichen Austausch oder überhaupt um Austausch, sondern viel mehr um einen Schlagabtausch. Was also soll so eine Veranstaltung, bei der schon im Vorfeld klar ist, wer welche Argumente vertritt, außer Gräben zu zementieren und Positionen zu verhärten - anstatt die Diskussion zu versachlichen und zu differenzieren? Denn das tut meiner Meinung nach wirklich Not in einer Zeit, in der mit Symbolen Politik gemacht und vor allem schnell ein gesellschaftliches Klima der Ausgrenzung angefacht wird. 

Es gibt Wichtigeres

Über den Islam reden - das finde ich wichtig und auch interessant, wie ich in vielen Diskussionen mit meiner syrischen Freundin festgestellt habe. Vieles sehen wir ähnlich – ich eine nichtgläubige Ex-Katholikin aus Niederbayern und sie eine gläubige Muslimin mit Kopftuch aus Damaskus. In Sachen Kopftuch kommen wir nicht zusammen. Ich würde es nie tragen, sie würde es nie ausziehen. Aber wir können es beide so stehenlassen. Und ehrlich gesagt: Es gibt tatsächlich wichtigere Dinge zu besprechen.

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