Meisterbrief

Der Bundestag hat eine Rückkehr zur Meisterpflicht in ausgewählten Berufen beschlossen. Keine gute Nachricht für das Handwerk und die Kunden, findet unsere Hauptstadt-Korrespondentin.

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Zum Artikel Ist die Meisterpflicht gut für die Kunden?

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Die Wiedereinführung der Meisterpflicht ist eine Farce. Es hört sich zwar gut an, dass der Fliesenleger künftig wieder einen Meistertitel braucht, wenn er einen Betrieb aufmachen will. Der Beschluss stärkt in der Theorie das Handwerk. Die Politik will zeigen: Euch brauchen wir, mit euren Fachkräften, mit eurem Wissen.

In der Praxis aber spielt all das keine Rolle. Denn selbst öffentliche Auftraggeber, also der Staat, schauen bei Auftragsvergaben zuerst auf den Preis und dann - oder vielleicht auch nicht - auf die Qualifikation der Handwerker. Billig first, Meister second. Das ist das Dilemma des Handwerks.

Reine Symbolpolitik

Viele Kunden wissen die jahrelange Ausbildung nicht zu schätzen. Ihnen ist nicht klar, dass eine Meisterschule bis zu 20.000 Euro kosten kann. Dass die Ausbildung von jungen Menschen, die eben nur ein Meisterbetrieb leisten kann, allen nützt. Den Azubis und der Gesellschaft. Dass einen Betrieb zu führen, buchstäblich gelernt sein muss.

Der Meister ist der Manager der Firma. Aber bekommt er die gleiche Wertschätzung wie ein Akademiker? Nein, weder in der Bevölkerung und schon gar nicht in der Politik. Wer jetzt also für ein paar einzelne Berufe die Meisterpflicht wieder einführt, betreibt Symbolpolitik.

Eine Stärkung des Handwerks sähe anders aus: die teure Ausbildung kostenfrei machen; bei öffentlichen Vergaben einen Meisterbetrieb vorschreiben; in politischen Bildungsdebatten nicht nur ständig über Uniabschlüsse reden, sondern mal erwähnen, dass ein Handwerksmeister und ein Bachelor gleichwertig sind. Das weiß kaum einer. Aber dass der ungelernte Soloselbständige billiger ist als der Meisterbetrieb, das weiß jeder.

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Sendung: hr-iNFO, 12.12.19, 15-18 Uhr

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