November-Lockdown

In der Coronakrise schießen die Zahlen der Neuansteckungen seit Tagen immer schneller in die Höhe. In Deutschland und in Hessen. Unsere landespolitische Korrespondentin meint: Wir brauchen einen harten Lockdown. Und zwar jetzt.

Jeden Tag ein weiterer trauriger Rekord. Die Zahlen der Neuansteckungen schießen immer schneller in die Höhe. Die Zahlen, das sind Menschen, die mal schnell einkaufen gehen, zur Arbeit, sich mit Freunden und Verwandten treffen. In der Hoffnung es werde schon nichts passieren. Die sich dabei dann aber doch mit Corona infizieren, Menschen die Langzeitschäden behalten, Menschen die sterben. Ich meine: Wir brauchen einen harten Lockdown – und zwar jetzt.

Auf was wollen wir warten?

Von Donnerstag auf Freitag sind in Hessen fast 2.000 Neuansteckungen dazugekommen. Und 58 Menschen an oder mit Covid-19 gestorben. Einen Tag vorher waren es noch 1.300 Neuansteckungen und 23 Todesfälle. Das sagt eigentlich schon alles.

Jeder Tote ist einer zu viel. Und deshalb, meine ich, ist jeder Tag einer zu viel, den wir weiter verstreichen lassen auf dem Weg zu einem harten Lockdown. Denn dass er kommen wird, der harte Lockdown, steht mittlerweile fest. Warum also weiter warten? Was abwarten? Das lukrative Weihnachtsgeschäft? Während die Zahl der Toten jeden Tag schneller stiegt? Mit Verlaub: Das wäre zutiefst zynisch.

Gibt Schlimmeres als Weihnachten zu fünft

Das möchte ich auch niemandem unterstellen, aber zu sagen: Die Lage ist ernst, wir brauchen einen harten Lockdown, aber erst nach Weihnachten, in zwei Wochen: Wen soll das denn bitte überzeugen?

Ja, es wäre traurig, wenn an Weihnachten nur höchstens fünf Erwachsene aus zwei Haushalten unterm Weihnachtsbaum sitzen. Es gibt aber auch Schlimmeres. Für solche Befindlichkeiten ist die Lage einfach zu ernst, meine ich. Wir leben in einer Pandemie, die jeden Tag immer mehr Todesopfer fordert. 

Vertane Chance

Je früher ein harter Lockdown kommt, desto mehr Leben können gerettet werden. Und desto weniger und kürzer muss im Anschluss in Freiheitsrechte eingegriffen werden, um die Infektionszahlen wieder mühevoll zu senken.

Und deshalb hat Ministerpräsident Bouffier am Freitag eine Chance verpasst im Landtag. Die Chance, zu sagen: Wir haben uns geirrt. Die Zeit der behutsamen Abwägung, die Zeit der kleinen Schritte, sie ist vorbei. Längst. Wir müssen handeln – und zwar jetzt.

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Sendung: hr-iNFO Aktuell, 11.12.2020, 15-18 Uhr

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