Angela Merkel

Im August 2015 sagte Angela Merkel den Satz, der wohl mit ihr verbunden bleiben wird wie kein zweiter: "Wir schaffen das". Heute, fünf Jahre später, klingt er in vielerlei Hinsicht hohl, meint unsere Kommentatorin.

"Wir schaffen das!" Für mich war dieser Satz von Angela Merkel ein Aufruf zur Menschlichkeit und der Ermunterung, sich dazu zu bekennen. Ein Aufruf, die eigenen Privilegien zu teilen und sich nicht hinter Vorurteilen zu verstecken. Heute, fünf Jahre später, klingt der Satz jedoch in vielerlei Hinsicht hohl: Die Asylpolitik wurde stark verschärft, zum Beispiel hat man Abschiebungen in bestimmte Länder wie Afghanistan oder Pakistan verstärkt, viele Menschen haben nach wie vor keinen sicheren Aufenthaltstatus.

Die Menschen müssen länger in den Massenunterkünften wohnen, was gerade in Zeiten der Corona-Pandemie ein erhebliches Risiko für die Bewohner und Bewohnerinnen bedeutet. Und letztendlich hat sich Deutschland auch darauf ausgeruht, auf Europa zu warten.

Probleme erkennen und verändern

Merkel hat immer wieder betont, dass Europa eine gemeinsame Lösung im Umgang mit Geflüchteten finden muss. Das hat es bis heute nicht getan. Die überfüllten Lager auf den griechischen Inseln sind ein trauriges und gleichermaßen beschämendes Beispiel dafür. "Wir schaffen das!"Ja, es ist möglich, das haben die vielen Anstrengungen der Geflüchteten selber und die Hilfsbereitschaft vieler Einzelner gezeigt, auch die Kommunen bundesweit haben gerade in der Anfangszeit ihren Beitrag dazu geleistet und pragmatische, manchmal improvisierte, aber immer auch gut organisiserte Lösungen gefunden.

Zitat
„Was wir nicht geschafft haben: Die Zweifler davon zu überzeugen, dass wir Migration nicht ablehnen können. Sie ist eine Realität.“ Zitat von Anne Baier
Zitat Ende

Was wir nicht geschafft haben: Die Zweifler davon zu überzeugen, dass wir Migration nicht ablehnen können. Sie ist eine Realität. Und angesichts der vielen Probleme weltweit wird die Zahl der Menschen, die ihre Heimat verlassen müssen, vermutlich weiter ansteigen. "Wir schaffen das!" heißt für mich auch, die Probleme zu erkennen und zu verändern, und nicht darauf zu setzen, Menschen in Not abzuwehren.

Videobeitrag

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zum hr-fernsehen.de Video Wir schaffen das! Oder? Pfungstadt und die Flüchtlinge (1)

Flüchtlinge in Pfungstadt
Ende des Videobeitrags

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 31.8.2020, 6 bis 9 Uhr

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