Die Zentralen von Deutscher Bank (l.) und Commerzbank (hi. re.) in Frankfurt
Die Zentralen von Deutscher Bank (l.) und Commerzbank (hi. re.) in Frankfurt Bild © picture-alliance/dpa (Archiv)

Die Pläne für eine Mega-Bank sind gescheitert: Deutsche Bank und Commerzbank haben ihre Fusionsgespräche beendet. Gut so, meint unser Kommentator. Die Frage nach ihrer Zukunftsfähigkeit bleibt aber bestehen.

Aus der Traum von einer deutschen Großbank, von einem nationalen Banken-Champion, so wie ihn Politiker in Berlin seit langem geträumt haben - wie zuletzt Olaf Scholz von der SPD und sein Staatssekretär Jörg Kukies. Letzterer ist ehemaliger Investmentbanker von Goldman Sachs und kennt Deutsche Bank und Commerzbank seit langem. Er kennt ihre Vorstände, ihre Probleme, ihre Versäumnisse - und die lange Leidensgeschichte der insgesamt rund 140.000 Mitarbeiter beider Häuser.

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Er und sein Chef hätten wissen müssen, dass zwei angeschlagene Banken nicht automatisch zu einem Champion aufsteigen, nur weil sie zusammengehen. Wie hätten die Sozialdemokraten Scholz oder Kukies den Wählern vermitteln sollen, dass im Falle einer Fusion zehntausende Jobs wegfallen – auf einen Schlag, auf nimmer Wiedersehen? 30.000, 40.000 oder gar 50.000!

Sie hätten auch wissen müssen, dass die beiden größten deutschen Privatbanken so viele hausgemachte Probleme haben, dass sie noch über Jahre mit der Auf- und Abarbeitung beschäftigt sein werden: Seien es die zahlreichen Skandale der Deutschen Bank – Geldwäsche, Zinsmanipulationen, Steuerbetrug etwa -, seien es riskante Staatsanleihen und Schiffskredite der Commerzbank, seien es milliardenschwere Übernahmen in den vergangenen Jahren, die beiden Konzernen kein Glück beschert haben. Das hätte zu viel werden können, das scheint Deutsche Bank-Chef Christian Sewing geahnt zu haben.

Die Zukunft könnte längst abgelaufen sein

Gut so! Denn beide sind ausgezehrt, haben Milliarden ihrer Aktionäre verbrannt und leben seit langem schon vom Verkauf ihres Tafelsilbers. Die Deutsche Bank hatte einmal in der ersten Liga der US-Investmentbanken mitspielen wollen und ist damit dramatisch gescheitert. Die Commerzbank hat sich von der Politik in eine Fusion mit der Dresdner Bank drängen lassen zu einer Zeit, als die Weltfinanzkrise gerade auf ihrem Höhepunkt war. Sie musste anschließend vom Staat gerettet werden.

Und jetzt? Jetzt werden beide erst einmal allein weitermachen und so tun, als wäre nichts geschehen. Aber es ist etwas geschehen! Der nationale Banken-Champion ist tot bevor er geboren wurde. International spielen Deutsche Bank und Commerzbank allenfalls noch als Juniorpartner einer späteren Fusion eine untergeordnete Rolle. Und beide müssen den Beweis noch antreten, dass sie das Zeug haben, den eigentlichen Wettbewerbern der Zukunft Paroli zu bieten. Die heißen Apple, Google, Amazon oder Alibaba und haben längst eigene Bezahlsysteme am Start und liefern ihren Kunden genau das, was sie in Zukunft wollen: mobiles, einfaches und schnelles Banking.

Sie haben die Geräte, die Apps, die Rechenzentren – und die Commerzbank und die Deutsche Bank, was haben die? Vorstände und Aufsichtsräte, die ihrer Verantwortung nicht gerecht geworden sind, die Entwicklungen verschlafen und viele falsche Entscheidungen getroffen haben - die sollen beide Traditionshäuser in die Zukunft führen? Die könnte längst abgelaufen sein. So wie die Geduld ihrer Mitarbeiter und Aktionäre.

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 Sendung: hr-iNFO, 25.4.2019, 16:30 Uhr

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